Malaria: Verbreitung, Symptome, Prophylaxe




Verbreitung der Malaria

Reisen in Nähe des Äquators bringen das Risiko von Tropenkrankheiten mit sich. Eine der unsympathischsten ist die Malaria, die trotz jahrzehntelangem Kampf immer noch weit verbreitet ist, wie die Abbildung zeigt.

Malaria- Verbreitung weltweit

Malaria- Verbreitung weltweit

Danach ist das Malaria- Risiko in West- und Zentralafrika, aber auch in Indonesien extrem hoch, so dass in dieser Gebieten unbedingt zu einer Chemo- Prophylaxe mit entsprechenden einschlägigen und in den jeweiligen Regionen wirksamen Präparaten zu raten ist.

Ein immer noch hohes Risko besteht praktisch in ganz Südostasien, den Küstenregionen von Indien sowie Mittelamerika. Hier kann eine chemische Prophylaxe sinnvoll sein, insbesondere wenn keine vernünftige medizinische Versorgung gewährleistet ist.

In Thailand z.B. verzichte ich persönlich auf Malaria- Prophylaxe und führe auch keine Standby- Medikamente mit mir, weil ich weiß, dass ich sie praktisch an jeder Ecke in der Apotheke bekomme (und das natürlich deutlich billiger als in Europa). Im Kambodscha führe ich dagegen Doxycylin und Mefloquin als Standby mit, was mir reicht, weil ich mich überwiegend in den drei Ballungsräumen SHV, PP und SR aufhalte, wo das Malaria- Risiko überschaubar ist. In Birma oder Laos hingegen würde ich je nach Jahreszeit über eine Malaria- Prophylaxe nachdenken, weil die medizinische Versorgung dort mitunter äußerst dürftig bis katastrophal und der Weg ins nächste Krankenhaus teilweise sehr weit ist.




Generell ist das Malaria- Risiko auch in den genannten Risikogebieten unterschiedlich verteilt. Gerade in Südostasien hat der Kampf gegen die Malaria- Mücke Anopheles dazu geführt, dass vor allem die Großstädte praktisch als Malaria- frei gelten, während das Risiko auf dem Land immer noch bis zu acht Mal höher ist.

Neben der Frage, ob man eine Chemo- Prophylaxe einnehmen sollte, sind natürlich auch alle milderen Mittel wie konsequente Anwendung von Repellents und Insektenschutzmitteln sowie das Schlafen unter Moskitonetzen, die mit Kontaktinsektiziden wie Deltamethrin imprägniert sind, zu beachten.

Besonders das Schlafen unter einem Moskitonetz ist ungemein wirksam, da die Malaria- Mücken nachtaktiv sind und das Risiko, gestochen zu werden, entsprechend nachts im Schlaf besonders besonders hoch ist. Insektenschutzmittel wirken oft nicht lang genug, um eine ganze Schlafphase abzudecken. Das Moskitonetz ist daher das wirksamste Mittel der Malaria- Prophylaxe.

Erregertypen und Symptome

Es gibt fünf Erregertypen der Malaria, die beim Menschen zur Erkrankung führen:

1. Malaria tropica durch Plasmodium falciparum (in Afrika bis > 90 %)
lebensbedrohlich durch „Gehirn-Malaria”, Nierenversagen etc.
2. Malaria tertiana durch P. vivax und 3. P. ovale
selten lebensbedrohlich, jedoch trotzdem sehr unangenehm
4. Malaria quartana durch P. malariae – nicht lebensbedrohlich
5. Malaria knowlesi durch P. knowlesi, lebensbedrohlich

Die Symptome einer Malaria- Erkrankung sind tückischer Weise eher Allgemeinsymptome, die auch von anderen Erregern verursacht werden können. Deshalb ist beim Auftreten dieser Symptome zunächst mit einem Schnelltest zu klären, ob es sich wirklich um eine Malaria handelt, bevor man drauflos therapiert. Diese Schnelltests sind in betroffenen Regionen normalerweise für kleines Geld in Apotheken erhältlich.

Typische Symptome einer Malaria- Infektion sind vor allem:

  • hohes Fieber, oft verbunden mit Schüttelfrost
  • Kopf- und Gliederschmerzen sowie Appetitverlust
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Bei einem schweren Verlauf kommen zu den obigen Symptomen noch hinzu:

  • Bewusstseinstrübung, Kreislaufstörungen
  • Atemstörungen
  • wenig bis keine Urinausscheidung
  • Hautblutungen

Wichtig ist, dass diese Symptome einer Malaria tropica natürlich erst nach einer Inkubationszeit von mindestens sechs Tagen, durchschnittlich zehn bis 13 Tagen auftreten können.

In dieser Zeit vermehren sich die Erreger in der Leber und befallen von dort aus die roten Blutkörperchen, wo sich die Erreger weiter vermehren. Platzen die befallenen roten Blutkörperchen, so werden die Erreger ins Blut ausgeschwemmt, was zumeist den ersten Fieberanfall verursacht.

Dieser Prozess nimmt, wie gesagt, mindestens sechs Tage in Anspruch, so dass Symptome, die innerhalb der ersten sechs Tage nach Einreise in ein Malaria- Gebiet auftreten, mit sehr hoher Sicherheit keine Malaria tropica sind!

In diesen Fällen handelt es sich vermutlich eher um andere Infektionen, wie z.B. Magen- und Darminfektionen.

Achtung: In vielen Ländern Südostasiens, v.a. Malaysia (Borneo!), Phillipinen, Myanmar und auch in Thailand ist die Malaria knowlesi verbreitet, die eine Inkubationszeit von nur 24 Stunden hat.

Bei Auftreten von Fieber sollte man daher auf jeden Fall schnellstens einen Malaria- Schnelltest durchführen, den es in den meisten Ländern mit Malaria- Verbreitung in jeder Apotheke zu kaufen gibt. In Deutschland kann man solche Schnelltests natürlich auch schon für die Reiseapotheke kaufen, doch macht das angesichts des deutlich höheren Preises vermutlich keinen Sinn.

Die Zuverlässigkeit dieser Schnelltests steht den konventionellen Diagnoseverfahren übrigens in nichts nach; trotzdem sollte man diesen bei negativem Befund 24 Stunden später noch mal wiederholen. Bei anhaltenden Beschwerden ist natürlich trotzdem umgehend ein Arzt aufzusuchen., denn auch andere Infektionen als Malaria können im harmlosesten Fall sehr unangenehm sein, im schlechtesten Fall sogar ebenso lebensbedrohlich wie die Malaria (z.B. Dengue- Fieber)

Fast überflüssig zu erwähnen, dass in jede Reiseapotheke natürlich ein Fiebethermometer gehört, damit man objektive Daten über die Symptomatik einer Infektion erhält.

Medikamentöse Malaria- Prophylaxe

Hat man sich für eine Chemo- Prophylaxe entschieden, so muss man beachten, dass der besonders gefährliche Erreger der Malaria tropica P. falciparum in vielen Gebieten Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe entwickelt hat.

Am häufigsten finden sich Resistenzen gegen Chloroquin (Handelsname Resochin), aber auch gegen das frühere „Nonplusultra“ Mefloquin (Handelsname Lariam) sind Erreger in einigen Gebieten, wie den Grenzgebieten von Thailand zu Laos, Kambodscha und Myanmar inzwischen resistent.

Ferner ist davon abzuraten, sich vor Ort andere Substanzen als die in Europa üblichen für eine Malaria- Prophylaxe oder Notfallbehandlung aufschwatzen zu lassen, denn in den tropischen Ländern sind eine Reihe von Medikamenten auf dem Markt, die für Nicht- immune Europäer ungeeignet sind.

Zur Malaria- Prophylaxe und/oder zur Notfallbehandlung eignen sich die folgenden Wirkstoffe bzw. Wirkstoffkombinationen (wichtig ist der Name des Wirkstoffes, da dieser in anderen Ländern oft auch unter anderen Namen gehandelt wird):

  • Artemether + Lumefantrin (Handelsname: Riamet bzw. Coartem in Asien/Afrika)
  • Atovaquon + Proguanil (Handelsname: Malarone)
  • Mefloquin (Handelsname: Lariam bzw. Mephaquin)
  • Chloroquin (Handelsname: Resochin, Weimerquin, Nivaquine)
  • Doxycyclin

Artemether + Lumefantrin

Dieser Wirkstoff ist zur Prophylaxe nicht geeignet.

Notfallbehandlung:

Am Anfang nehmen Erwachsene eine Einmaldosis mit 4 Tabletten dann nach 8, 24, 36, 48, 60 Std. nach Therapiebeginn je 4 Tabletten (= 24 Tabl. Gesamtdosis), Einnahme immer mit einer Mahlzeit

mögliche Nebenwirkungen: Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel Alpträume, Angstgefühle, Unruhe, Erregung, Konzentrationsmangel

Atovaquon + Proguanil

Zur Prophylaxe nehmen Erwachsene ab 1 bis 2 Tage vor bis 7 Tage nach Aufenthalt im Malaria- Gebiet täglich eine Tablette. Die maximale Aufenthaltsdauer sollte 4 Wochen nicht überschreiten.

Notfallbehandlung:

Erwachsene nehmen am Tag 1,2 und 3 jeweils zur gleichen Tageszeit 4 Tabletten mit einer Mahlzeit oder Milchprodukten ein. Eine Notfallbehandlung kommt nur in Betracht, wenn nicht schon eine Prophylaxe mit demselben Medikament durchgeführt wurde.

mögliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen

Mefloquin

Erwachsene nehmen ein bis drei Wochen vor bis vier Wochen nach dem Aufenthalt eine Tablette pro Woche ein.

Notfallbehandlung:

Erwachsene über 60 kg nehmen zu Beginn 3 Tabletten, nach 6 bis 8 Stunden weitere 2 Tabletten und nach noch mal 6 bis 8 Stunden eine letzte Tablette mit einer Mahlzeit ein.

mögliche Nebenwirkungen (im Vergleich zur Prophylaxe in der Therapiedosis verstärkt): häufig Schwindel, Übelkeit, Schlafstörungen, lebhafte Träume, gelegentlich Verdauungsstörungen, Kopfschmerz, Juckreiz, Hautausschlag, Kreislauf- Herzrhythmusstörungen, Seh-, Gleichgewichtsstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmung, Halluzinationen, selten Krampfanfälle

Mefloquin ist hochwirksam gegen alle Malaria- Arten, sollte wegen der erheblichen Nebenwirkungen aber nur angewendet werden, wenn etwas gegen den Einsatz der anderen Wirkstoffe spricht. Mein Hausarzt hat das mal ganz schön so beschrieben: „Wenn Sie Pech haben, fühlen Sie sich für den Rest Ihres Lebens, als wären Sie im Sinkflug…“ Das möchte ich mal so stehen lassen.

Chloroquin

Erwachsene nehmen 1 Woche vor bis 4 Wochen nach dem Aufenthalt je nach Gewicht 2 bis 3 Tabletten pro Woche.

Notfallbehandlung:

Zu Beginn nehmen Erwachsene eine Einmaldosis mit 4 Tabl. (= 600mg Base) dann nach 6, 24, 48 Std je 2 Tabl. (=300mg Base) (= 10 Tabl. Gesamtdosis oder 1500mg Base)

Chloroquin ist in Afrika, Asien und Südamerika wegen vohandener Resistenzen zur Behandlung der Malaria tropica nicht mehr geeignet. Chloroquin ist dagegen wirksam gegen die Malaria tertiana und kann in der Karibik und in Mittelamerika auch noch gegen die Malaria tropica eingesetzt werden.

Doxycyclin

Erwachsene nehmen ein bis zwei Tage vor bis vier Wochen nach dem Aufenthalt eine Tablette täglich.

Zur Notfallbehandlung ist Doxycyclin nicht geeignet.

Die hier zusammen getragenen Informationen können und sollen die reisemedizinische Beratung durch einen ausgebildeten Arzt nicht ersetzen sondern nur ein wenig Sensibilität für das Thema Malaria- Prophylaxe schaffen!

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