Gesetzliche Krankenversicherung bei Langzeit-Auslandsaufenthalt

Bei Langzeitaufenthalten im Ausland ist zu überlegen, ob man sich bei seiner gesetzlichen Krankenkasse abmeldet. Meldet man seinen Wohnsitz in Deutschland ab, so ist die Abmeldung bei der Krankenversicherung überhaupt kein Problem.

Meldet man sich nicht in Deutschland ab, gilt zwar eigentlich seit 2007 die Krankenversicherungspflicht für alle Menschen mit einem Wohnsitz in Deutschland, doch wird in der Regel eine Langzeit- Auslandskrankenversicherung als dieser Verpflichtung genügend angesehen. Ich konnte das mit meiner Krankenversicherung jedenfalls problemlos gegen Vorlage meiner Langzeit AKV regeln. Hier geht es zu einer Übersicht der besten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen.

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses besteht noch für einen Monat ein nachwirkender Krankenversicherungsschutz. Danach wäre man im Fall der Arbeitslosigkeit durch die Bundesagentur für Arbeit versichert. Da eine Arbeitslosenmeldung wegen der fehlenden Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt während einer Weltreise nicht in Frage kommt, fällt auch der Krankenversicherungsschutz durch die Agentur für Arbeit weg.

Somit bestünde dem Grunde nach eigentlich die Pflicht, sich freiwillig krankenversichern zu lassen, was bei einer Langzeit- Weltreise natürlich unnötige Kosten verursacht, da die gesetzliche Krankenversicherung auf Reisen fast komplett nutzlos ist.

Ich empfehle daher, mit der Krankenversicherung zu klären, ob eine Langzeit- Auslands- KV ausreichend ist und sich dann für die Zeit der Weltreise abzumelden.

Es gibt eine Handlungsanleitung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen von 2009, wie mit Langzeit- Auslandsaufenthalten versicherungsrechtlich umzugehen ist. Dieses Papier ist in den Kommentaren unten verlinkt und sehr versichertenfreundlich. Leider wird dieses Papier seit ein paar Jahren von den meisten Gesetzlichen Krankenversicherungen ignoriert. Oft wird versucht, die Versicherten in eine Anwartschaft zu drängen, was für die Versicherungen ein Traum ist, weil es leistungslose Beiträge bedeutet.

Der Einfachheit halber findet ihr hier das Papier des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen von 2009.

Gesetzliche Krankenversicherung und die Anwartschaft

Früher gab es die Möglichkeit (oder das Erfordernis), in eine Anwartschaftversicherung zu wechseln und sich so

Arbeitslosengeld nach der Weltreise
Arbeitslosengeld nach der Weltreise

gewissermaßen das Recht zu erwerben, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Seit 2007 gibt es aber die allgemeine gesetzliche Krankenversicherungspflicht und die Verpflichtung für die Krankenkassen, jeden Versicherungspflichtigen auch aufzunehmen. Eine Anwartschaft ist daher für die meisten Versicherten unter 50 nicht mehr erforderlich! Achtung: Für Privatversicherte kann etwas anderes gelten. Hier geht es ausschließlich um gesetzlich Krankenversicherte.

Trotzdem versuchen die GKV es den Versicherten schwer zu machen. Kündigt man als freiwillig Versicherter unter Einhaltung der zweimonatigen Kündigungsfrist, wird z. B. gerne behauptet, dass man nach Rückkehr  aus dem Ausland nicht mehr in die Gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren könne, weil man ja für die Dauer des Auslandsaufenthaltes in eine Private (Auslands-) Krankenversicherung gewechselt sei und eine Rückkehr nach einem Systemwechsel in die PKV nicht mehr zulässig sei.

Das ist natürlich Quatsch, denn der Abschluss einer zeitlich befristeten Auslandskrankenversicherung ist natürlich kein Systemwechsel. Das wird auch im Papier des Spitzenverbandes deutlich gemacht, aber von den eigenen Mitgliedern des Verbandes stumpf ignoriert.

Richtig ist dagegen in der Tat, dass es zumindest bei den freiwillig gesetzlich Krankenversicherten auf die Vorversicherungszeiten ankommt. Wer in den letzten fünf Jahren 24 Monate in der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert gewesen ist, muss auch nach der Rückkehr nach Deutchland wieder aufgenommen werden. Alternativ gelten die Vorversicherungszeiten als erfüllt, wenn man die letzten 12 Monate vor der Abmeldung durchgehend in der GKV krankenversichert war.

Wege zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung

Wer ein Problem mit den Vorversicherungszeiten hat, kann am einfachsten zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung, wenn er unmittelbar nach Rückkehr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnimmt. Bleibt man beim Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze, wird man in der GKV zwangsversichert.

Es gibt auch einen kleinen Umweg zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung. Innerhalb der Europäischen Union besteht ja dem Grunde nach Niederlassungsfreiheit. Ihr könnt also euren Wohnsitz vor der Rückkehr nach Deutschland in einem Land mit Krankenversicherungspflicht wie Schweden oder den Niederlanden nehmen, meldet euch dort ordnungsgemäß an und zahlt eure Beiträge. Kehrt ihr dann wieder nach Deutschland zurück, könnt ihr euch offenbar diese Versicherungszeiten anrechnen lassen.

Ihr solltet im Übrigen peinlich genau die Policen eurer Auslandskrankenversicherungen aufbewahren – jedenfalls, wenn ihr euren Wohnsitz in Deutschland nicht abgemeldet habt. In diesem Fall könnt ihr euch von der Krankenversicherungspflicht im Inland, wie bereits ausgeführt, nur dann befreien lassen, wenn ihr eine gleichwertige Absicherung gegen Krankheit in eurem Reiseland nachweisen könnt. Ich habe in letzter Zeit häufiger davon gehört, dass Krankenkassen die üblichen Langzeit- Auslandskrankenversicherungen hier nicht mehr als vergleichbare Absicherung gegen Krankheit akzeptieren wollen. Dies scheint mir allerdings nur ein sehr müder Vorwand zu sein, ungeliebte Kostenverursacher nicht aufnehmen zu wollen.

Habt ihr dagegen Lücken in eurer Auslandskrankenversicherungs- Historie werdet ihr einen Beitragsbescheid über die Nachzahlung von Krankenversicherungsbeiträgen für all die Monate bekommen, in denen ihr keine AKV hattet. Das kann sehr schnell sehr teuer werden – insbesondere, da man ja meist nicht mit einem Sack voll Geld von einer Weltreise zurück kommt. Neben den Policen wollen viele Krankenkassen auch sämtliche Flugtickets sehen, um nachzuvollziehen, ob ihr zwischendurch vielleicht unversichert in Deutschland gewesen seid.

Freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung

Da keine Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden, entsteht für die Zeit der Weltreise eine Beitragslücke, die man durch eigene Beiträge schließen kann, wenn es erforderlich ist.Dabei wird der Eigenbeitrag die Höhe der späteren Rente nicht unmittelbar beeinflussen, aber sicher wichtig sein für die Frage der Beitragsjahre.

Für 2019 beträgt der freiwillige Mindestbeitrag 83,70 Euro monatlich, der einem Bruttoverdienst von 450 Euro entspricht. Man kann die Höhe der freiwilligen Beiträge aber bis zu einer Grenze von 1 283,40 Euro flexibel und je nach eigenen finanziellen Möglichkeiten selber wählen.

Da dies immerhin ein satter Kostenblock von ca. 1000 Euro für ein Jahr Weltreise ist, muss sich jeder sehr gut selbst überlegen, ob und wie viel jeder Einzelne an der Stelle vorsorgen kann und will.

Für diese freiwillge Versicherung ist ein Antrag erforderlich und man sollte sich natürlich unbedingt persönlich beraten und auch den Effekt der freiwilligen Versicherung berechnen lassen. Deshalb rechtzeitig Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung aufnehmen.

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor. Außerdem empfehle ich euch die Lektüre meiner aktualisierten Übersicht zu den besten kostenlosen Reisekreditkarten 2020.

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Wer schreibt denn hier?

Kai hat sich 2015 nach Jahren des Reisens schrittweise aus Deutschland verabschiedet und lebt seitdem die meiste Zeit des Jahres in Asien. In seinem früheren Leben hat er 10 Jahre in der Arbeits- und Sozialrechtsberatung gearbeitet.