Arbeitslosengeld nach der Weltreise

Viele Traveller fragen sich: Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld nach einer Weltreise oder nach einem längeren Auslandsaufenthalt? Sofern man seinen Arbeitgeber nicht zu einem Sabbatjahr bewegen kann und sein Arbeitsverhältnis deshalb beendet, gibt es einige Dinge im Umgang mit den Sozialversicherungsträgern zu beachten. Ich erkläre euch hier ein paar Grundregeln des Arbeitslosengeldbezugs.

Vorab: Gerade im Sozialversicherungsrecht ändert sich die Rechtslage mitunter sehr schnell. Diese Tipps sollen deshalb nur als erste Hinweise und Denkanstöße dienen und ersetzen nicht die Beratung durch Rechtsanwälte oder Behörden.

Arbeitslosengeld nach der Weltreise: Anspruch sichern

Da man für den Bezug von Arbeitslosengeld dem Arbeitsmarkt für Vermittlungen zur Verfügung stehen muss, hat man während einer Weltreise keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 oder 2. Ich kann auch nur davon abraten, die Langzeit- Abwesenheit zu verschweigen und trotzdem ALG zu beantragen, denn das wird angesichts der regelmäßigen Vorsprachen bei seinem “Fallmanager” in die Hose gehen.

Einige ganz Schlaue versuchen den Umweg über den Existenzgründerzuschlag der Bundesagentur für Arbeit und machen sich einfach selbstständig in der Hoffnung, dass das Kontrollnetz nicht ganz so engmaschig ist wie bei Arbeitslosen. Wenn aber überhaupt keine Geschäftstätigkeit erfolgt, dürfte es sich hierbei schlicht um Erschleichung von Sozialleistungen handeln.

Zur Finanzierung seiner Weltreise wird die Bundesagentur daher nicht in Frage kommen. Dafür kann man nach Ende der Weltreise möglicherweise Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Sperrzeit bei Eigenkündigung

Um ungekürzten ALG- Anspruch zu haben, sollte man sein Arbeitsverhältnis nicht selbst kündigen sondern seinen Arbeitgeber bitten, eine fristgerechte, betriebsbedingte Kündigung auszusprechen. Andernfalls droht einem eine dreimonatige Sperre, die man zwar  während seiner Reise “absitzen” kann, die aber in jedem Fall den Anspruch auf Arbeitslosengeld um drei Monate mindert.

Beispiel: Ich kündige selbst zum 30.06. und möchte am 02.07. für ein Jahr auf Weltreise gehen. Ich melde mich am 01.07. arbeitslos, bekomme eine dreimonatige Sperrzeit wegen Eigenkündigung und am 02.07. melde ich mich bei der Bundesagentur wieder ab.

Die Sperrzeit läuft in diesem Fall vom 01.07. bis 30.09. und vermindert meinen Gesamtanspruch von 12 Monaten auf 9 Monate Arbeitslosengeld. Am 30.06. des Folgejahres komme ich von der Reise zurück, melde mich sofort bei der Bundesagentur arbeitslos und bekomme sofort ALG für 9 Monate, weil die Sperrzeit während der Reise abgelaufen ist.

Eine Sperrzeit bekommt man übrigens nur dann, wenn man

  1. selbst gekündigt hat, an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitgewirkt hat (Aufhebungsvertrag) oder durch sein Verhalten eine Kündigung provoziert hat
  2. keinen wichigen Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hatte (z.B. Krankheit o.ä.) oder
  3. den Aufhebungsvertrag nur zur Abwendung einer ansonsten unumgänglichen arbeitgeberseitigen Kündigung abgeschlossen hat

Rät einem der eigene Arzt also z.B. wegen Burnouts zur Jobaufgabe, so hat man einen wichtigen Grund und die Bundesagentur darf keine Sperrzeit verhängen.

Ferner muss man sich unmittelbar nach Erhalt der Kündigung (oder Eigenkündigung oder Aufhebungsvertrag) bei der Agentur persönlich arbeitsuchend melden, da ansonsten ebenfalls eine Sperrzeit wegen verspäteter Meldung droht.

Arbeitsuchend melden soll man sich, sobald das Ende des Arbeitsverhältnisses absehbar ist; spätestens drei Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit muss man sich arbeitsuchend melden.

Im Gegensatz hierzu ist die Arbeitslosmeldung frühestens drei Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit möglich und muss spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit erfolgen.

Bleiben wir bei obigem Beispiel: Ich kündige selbst am 31.01. zum 30.06. Dann muss ich mich sofort, spätestens aber am 31.03. persönlich arbeitsuchend melden. Frühestens am 01.04. kann ich mich dann arbeitslos melden und einen Antrag auf ALG stellen; spätestens am 01.07. muss ich es tun, weil ich erst ab Antragstellung ALG bekommen kann.

Die Sache mit der Rahmenfrist…

Wichtig ist, sich unbedingt rechtzeitig vor der Weltreise arbeitslos zu melden und damit Arbeitslosengeld zu beantragen und sei es auch nur für einen Tag. Für den Bezug von ALG ist es nämlich normalerweise erforderlich, in einer Rahmenfrist von zwei Jahren mindestens zwölf Monate beschäftigt gewesen zu sein.

Wer also länger als ein Jahr auf Weltreise ist, hätte damit seinen Anspruch auf ALG verwirkt, weil die Anwartschaft nicht mehr erfüllt ist.

Wird einem aber vor Reiseantritt schon einmal ALG bewilligt (z.B. für einen Tag), bleibt der  Anspruch auf ALG vier Jahre lang erhalten. Der Bewilligungsbescheid wird dann aufgehoben, weil man dem Arbeitsmarkt wegen der Weltreise nicht zur Verfügung steht, aber die Ansprüche bleiben erhalten; sie ruhen nur während der Weltreise.

Wieder zu unserem Beispiel von oben: Ich habe zum 30.06. selbst gekündigt. Ab 01.04. kann ich mich arbeitslos melden, was zugleich als Antrag auf ALG gilt. Je früher ich den Antrag stelle, desto eher bekomme ich einen Bescheid über die Leistungen. Am 01.07. trete ich dann in den Leistungsbezug ein, bekomme also Arbeitslosengeld bzw. in unserem Beispiel tritt am 01.07. vermutlich erst einmal die Sperrfrist ein. Am 02.07. teile ich mit, dass ich dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehe und aus dem Leistungsbezug wieder ausscheide. Die Sperrfrist läuft aber weiter und ist am 30.09. abgelaufen, während ich schon auf Reise bin.

Nach der Rückkehr meldet man sich dann sofort am ersten Tag wieder arbeitslos und lässt so seinen ALG- Anspruch wieder aufleben und wird dann auch über die Bundesagentur für Arbeit krankenversichert.

Unterlagen für die Arbeitslosmeldung

Um den Prozess der Bescheiderteilung zu beschleunigen, ist es wichtig, mit dem Antrag alle wichtigen Unterlagen mit einzureichen. Dazu gehören vor allem:

  • Lohnsteuerkarte
  • Arbeitsbescheinigung (vom Arbeitgeber auszufüllen), danach bemisst sich die Höhe des ALG
  • Sozialversicherungsausweis
  • Kündigung bzw. Aufhebungsvertrag
  • Ärztliche Atteste um zu belegen, dass man einen wichtigen Grund hatte, das Arbeitsverhältnis selbst zu kündigen

Arbeitslosengeld nach der Weltreise: Fazit

Es ist wichtig, sich vor dem Auslandsaufenthalt um seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu kümmern. Insbesondere wenn man noch nicht genau weiß, wie lange man das Land verlässt, müssen die entsprechenden Anträge UNBEDINGT vor der Abreise gestellt werden, um nicht viel Geld zu verschenken.

ACHTUNG: Veränderungen der Rechtslage zum 01.01.2020

Es sind zum 01.01.2020 eine Reihe von neuen gesetzlichen Regelungen in Kraft getreten, die auch Informationen in diesem Artikel (u.a. bezüglich der Rahmenfrist) betreffen. Die Informationen sind daher im Moment teilweise veraltet und sollten immer mit dem Fallmanager bei der Bundesagentur besprochen werden. Ich werde hoffentlich in absehbarer Zeit mal die Muße finden, den Artikel grundlegend zu überarbeiten.

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