Einreise in ein Land ohne Einreiseerlaubnis

Wir Deutschen (wie viele andere EU- Länder) haben das Glück, ab Geburt über ein mächtiges Dokument zu verfügen, dass uns fast grenzenloses Reisen erlaubt: den deutschen Reisepass. Als Deutscher könnt ihr in 127 Länder der Erde ohne Visum einreisen; in weiteren 39 Ländern bekommt ihr das Visum „on arrival“ ausgestellt und nur noch in 32 Ländern müssen Deutsche ein Visum vorab beantragen. Doch was passiert eigentlich, wenn ihr in eines dieser 32 Länder einreisen wollt, ohne ein Visum in eurem Pass zu haben?

Auch 2019 wurde der deutsche Reisepass wieder zum „most powerful passport“ erklärt, wenn man sich den Spitzenplatz auch mit Singapur teilen muss, die ebenfalls visafrei in 127 Länder einreisen dürfen, aber nur in 38 Ländern ein Visa on arrival erhalten. Dabei bezieht sich das Recht, visafrei in ein Land einreisen zu dürfen, natürlich immer nur auf einen touristischen Aufenthalt von normaler touristischer Dauer. Was passiert aber eigentlich, wenn ihr in ein Land einreisen wollt und der Immigration Officer verweigert euch die Einreise?

Ohne Visum in ein Land einreisen: Das Boarding

Die erste große Hürde, auf die man trifft, wenn man ohne Einreiseerlaubnis in ein Land einreisen will, ist das Boarding. Die Airline, die euch an euer Ziel bringt, kontrolliert nämlich sehr genau, ob die Voraussetzungen für eine Einreise gegeben sind. Dazu gehören neben der Frage, ob man ein Visum benötigt, auch solche Dinge wie der Ausreisenachweis, den sich Airlines sehr viel häufiger von euch zeigen lassen, als es die Immigration vor Ort in der Regel tut. Ich weiß von einigen asiatischen Ländern wie Vietnam oder Malaysia, dass bei der Einreise nach einem Ausreisenachweis gefragt wird, aber auch viele kleine karibische Inseln sind da sehr genau und wollen ein Rückflug- oder Weiterflugticket sehen. Ob Rück- oder Weiterflug interessiert niemanden, Hauptsache raus.

Wenn ihr also ein Oneway- Ticket irgendwohin bucht, wird euch eure Airline fragen, wann und wie ihr aus dem Land, in das sie euch bringen soll, wieder ausreist. Die wenigsten Check In agents lassen sich hier mit einem „Ich reise per Bus weiter“ oder „ich weiß noch nicht genau, in welches Land ich weiterreise“ abspeisen. Wenn ihr keinen Nachweis habt, wird man euch meist nicht an Bord des Flugzeugs lassen.

Warum die Airline so sehr darauf achtet, hat vor allem mit Eigennutz zu tun, denn sie ist gesetzlich verpflichtet, euch bei einer Einreiseverweigerung wieder außer Landes zu bringen.

Entsprechend kann man eigentlich davon ausgehen, dass das Risiko, bei der Einreise abgelehnt zu werden, gering ist, weil die Airline die üblichen Fallstricke vor der Abreise abgeklärt haben wird.

Einreiseverweigerung aus „anderen Gründen“

Wie gesagt, dass ihr in einem Land ankommt und man euch sagt, dass ihr ein Visum für die Einreise benötigt, ist sehr unwahrscheinlich. Auch der zweite typische Grund für die Einreiseverweigerung, der fehlende Ausreisenachweis, wird in der Regel von der Airline geprüft. Sofern ihr also mit Flugzeug irgendwo einreist, seid ihr einigermaßen safe.

Allerdings haben Länder mitunter auch noch eine Reihe von zusätzlichen Bedingungen, die nicht jedem bekannt sind, aber auch nicht jeden betreffen. Meine Wahlheimat Thailand bespielsweise geht seit einigen Jahren verschärft gegen so genannte Dauer- Touristen vor. Das sind Leute, die mit regelmäßigen Visa- Runs ihren Aufenthalt andauernd verlängern und so faktisch keine Touristen mehr sind sondern dort leben. Jahrzehntelang hat man das toleriert, weil es ja auch Geld ins Land gebracht hat, doch in Zeiten Digitalen Nomadentums nehmen die Zahlen offenkundig überhand, so dass man nun bei der Einreise bei Leuten mit vielen Einreisestempeln die so genannten 3 proofs genauer prüft. Jeder, der nach Thailand einreist, muss danach über eine Hotelreservierung, einen Ausreisenachweis innerhalb von 30 Tagen und 20.000 Baht in cash verfügen.

Sind die ersten beiden „proofs“ meistens erfüllt oder im Zweifel noch in der Immigration- Schlange nachholbar, scheitern die meisten an den 20.000 Baht, weil sie denken, sie könnten einfach ihre Kreditkarte vorzeigen oder man würde sie schnell zum Geldautomaten gehen lassen. Es kann auch der Gegenwert in einer anderen Währung sein, aber es muss Cash sein und vor der Einreise nach Thailand gibt es keinen Geldautomaten.

Die wenigsten echten Urlauber werden jemals nach den „3 proofs“ gefragt werden, doch wenn ihr gefragt werdet und ihr könnt nicht alle drei Erfordernisse nachweisen, wird euch die Einreise verweigert werden.

Einreise verweigert: Was passiert dann?

Wird euch die Einreise in ein Land vom Immigration Officer verweigert, so dürft ihr nicht einreisen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr euch frei im Transit aufhalten dürft und eure Weiterreise selbst organisieren könnt. Vielmehr ist, wie oben schon erwähnt, die Airline, die euch ins Land gebracht hat, verpflichtet, euch mit dem nächstmöglichen Flug wieder außer Landes zu bringen. Die Kosten für so einen „Lastminute- Flug“ liegen deutlich über „Lastminute- Preisen“. Ihr könnt dem auch gar nicht ausweichen, denn ihr habt nicht die freie Wahl euch den kostengünstigsten Flug ins nächste Nachbarland rauszusuchen sondern müsst das Land mit dem Flug verlassen, den die Airline euch zuweist- und das zu dem Preis, den die Airline aufruft. Das kann mitunter ein sehr teures Vergnügen sein.

Die Immigration informiert den Station Manager eurer Airline, dass sie einen Passagier außer Landes bringen müssen. Ihm wird auch euer Pass ausgehändigt. Bleiben wir bei dem Beispiel Bangkok: Seid ihr z.B. mit Air Asia eingereist, habt ihr Glück im Unglück, denn Air Asia hat jeden Tag und jede Stunde ein Dutzend Flüge aus Thailand. Ihr würdet also vermutlich sehr schnell im nächsten Flieger ins nächste Nachbarland sitzen, aber was macht ihr denn, wenn ihr gerade aus Neuseeland angekommen seid und nach ein paar Tagen Stopover in Bangkok mit einer anderen Airline weiter nach Deutschland fliegen wolltet? Die grausame Rechtslage ist: Die Airline, die euch da hingebracht hat, bringt euch auch wieder raus und zwar meistens in das Land, aus dem ihr gekommen seid- in diesem Fall also Neuseeland. Es kann sogar passieren, dass euer Flug nach Deutschland am nächsten Tag mit Lufthansa gegangen wäre und Air Newzealand aber nur alle drei Tage nach Bangkok fliegt und ihr deshalb drei Tage auf eure Räückreise nach Auckland warten müsst… um dann einen neuen Flug nach Deutschland zu buchen.

Natürlich spricht nichts gegen eine Verständigung mit eurer Airline, doch solltet ihr euch nicht allzuviel Kooperationsbereitschaft von denen versprechen, denn erstens verursacht ihr denen zunächst einmal erheblichen Zusatzaufwand und zweitens haben die ja die Möglichkeit, einen Preis nach ihrer Wahl von euch zu verlangen.

Eine Nacht im Detention Center: Warten auf die Abschiebung

Ein Freund von mir aus Kanada hat die Prozedur vor einem Jahr mitgemacht. Er war aus Kambodscha nach Thailand eingereist und hatte keine der drei Erfordernisse erfüllt (war allerdings vorher auch noch nie danach gefragt worden). Er hatte das Glück, mit Air Asia geflogen zu sein, aber das Pech, den letzten Flug des Tages mit Ankunft rund um Mitternacht erwischt zu haben. Er wollte also gerade seinen Pass einstecken und sich freundlich vom Immigration Officer Richtung Transit zu verabschieden, wo er nach ein paar gemütlichen Lounge- Aufenthalten dann für den nächsten Morgen einen Flug buchen wollte, als er von der Immigration Police in Gewahrsam genommen und ihm der Pass abgenommen wurde. Statt Lounge- Aufenthalt wartete für diese Nacht der Abschiebeknast, ein großer ungemütlicher Raum mit alten abgepunkten Doppelstockbetten. Für die Unterbringung durfte er dann am nächsten Morgen noch etwas über 20 Euro bezahlen.

Am nächsten Morgen brachte ihn dann der Station Manager von Air Asia mit der ersten Maschine zurück nach Kambodscha. Eine Wahl wurde ihm nicht gelassen, wobei er mit dieser vergleichsweise kostengünstigen Variante auch sehr gut leben konnte.

Offizielle Variante: Beschwerde gegen die Einreiseverweigerung

In einem Rechtsstaat und erstaunlicherweise bei der Einreise selbst in rechtsstaatlich schwierige Länder hat man meist mindestens das Recht der Beschwerde gegen eine Einreiseverweigerung und zumindest am Beispiel Thailand lässt sich sagen, dass die Beschwerden oft von Erfolg gekrönt zu sein scheinen. Das praktische Problem mit der Beschwerde: Während der Bearbeitungsdauer seid ihr in jedem Fall in Abschiebehaft zu behalten. Das sind im günstigsten Fall so ungefähr drei Tage. Vor die Wahl gestellt, am nächsten Tag (oder ggf. sogar schon mit derselben Maschine) ausgeflogen zu werden, werden die meisten auf das Erlebnis Detention Center verzichten wollen.

Lebenslang Einreiseverbot bei Einreiseverweigerung?

Wenn euch die Einreise in ein Land verweigert wird, habt ihr ja erstmal noch keine Straftat begangen, es sei denn natürlich, dass ihr bewusst falsche Angaben gemacht oder gar Urkunden gefälscht habt. Anders als bei einem Overstay, also der Überziehung euer erlaubten Aufenthaltsdauer, der in vielen Ländern sehr hart mit Einreiseverboten und teilweise mit Gefängnis geahndet wird, bleiben für euch bei einer Einreiseverweigerung für die Zukunft in der Regel alle Türen offen. Wenn die Gründe für die Einreiseverweigerung beseitigt sind, könnt ihr theoretisch am nächsten Tag mit dem nächsten Flug wieder einreisen.

Mein junger kanadischer Freund hat eine halbe Million Baht in die Hand genommen und sich ein Fünfjahres- Elite- Visum gekauft und ist eine Woche später an einem Sonderschalter mit einem roten Teppich begrüßt worden.

Übrigens: Wer aus welchem Grund auch immer, bei der Einreise in ein Land ein schlechtes Gefühl hat, geht ein geringeres Risiko ein, wenn eine Landgrenze gewählt wird. Warum? Weil ihr in diesem Fall nicht in Abschiebehaft genommen und deportiert werdet (mit allen entsprechenden Kosten) sondern einfach an der Grenze zurückgewiesen werdet. Funktioniert natürlich bei Inselstaaten wie in der Karibik oder auch Australien/Neuseeland nicht, aber in Asien oder Südamerika hat man oft die Wahl, ob man per Flug oder Bus/Zug einreist.

Darüber hinaus sollte man sich natürlich immer auf der Webseite des Auswärtigen Amts mit den Einreisehinweisen für das jeweilige Land vertraut machen.

Einreiseverweigerung: Fazit

Die Gefahr, dass einem die Einreise verweigert wird, ist durch die Vorarbeit der Airlines vor dem Check In schon sehr gering. Wenn es aber dennoch passiert, ist es vor allem nervig und teuer. Negative Konsequenzen für die Zukunft hat es aber in der Regel nicht.

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor.

Caribbean Islands (Country Regional Guides)
  • Mara Vorhees, Paul Clammer
  • Herausgeber: Lonely Planet
  • Auflage Nr. 7 (10.11.2017)
  • Taschenbuch: 893 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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