Ovar, Costa Prata

Portugal pur – Eine Reise entlang der Costa Prata (Silberküste)

Wer an Portugal denkt, hat vor allem die Algarve im Süden des Landes vor Augen. Wer hingegen Portugal ursprünglicher kennenlernen möchte, dem empfehle ich die Silberküste – Costa Prata – zwischen Porto und Lissabon. Eine wildromantische Reise durch ein faszinierendes Land.

Viele Menschen sehnen sich nach den Dauerlockdown der vergangenen anderhalb Jahre nach Reisen, doch im Fernreisebereich sieht es weiterhin mau aus. Doch selbst in Europa gibt es noch weitgehend unentdeckte Regionen, die eine Reise wert sind. Mich hat es für leider nur eine Woche an die portugiesische Silberküste, die Costa Prata, zwischen Porto und Lissabon gezogen.

Costa Prata – die unentdeckte Perle Portugals

Ich war seit zwölf Jahren nicht mehr in Portugal gewesen und entsprechend unentschlossen war ich in der Frage, wo ich die gute Woche verbringen sollte, die mir das Reiseguthaben meiner AMEX Platinum beschert hatte. Ich war bei vorhergehenden Besuchen überwiegend in den Großräumen Porto und Lissabon gewesen und habe mich dieses Mal für die Strecke zwischen den beiden Metropolen entschieden.

Dieser Küstenabschnitt, Costa Prata (zu deutsch: Silberküste) genannt, wird von vielen als Geheimtipp für Auswanderer und Ruheständler genannt. Neben den angenehmen klimatischen Bedingungen gelten niedrige Lebenshaltungskosten und der ursprüngliche Charme der kleinen Orte als Pluspunkte. Mittlerweile sprechen auch immer mehr Menschen in Portugal Englisch, so dass man sich ordentlich verständigen kann. Das war vor zwölf Jahren selbst in den Großstädten teilweise noch ein Problem gewesen.

Costa Prata – die Route

Ich hatte mich für einen Returnflug nach Porto entschieden, obwohl ein Gabelflug nach Porto und von Lissabon vielleicht einfacher gewesen wäre. So hatte ich aber die Möglichkeit, auf dem Rückweg noch ein bisschen was vom Landesinneren zu sehen und – so viel kann ich schon verraten – es hat sich gelohnt.

Ich habe mir einen Mietwagen von Interrent genommen. Die Mietwagenfirmen haben keine Stationen direkt am Flughafen sondern bringen euch mit einem Shuttlebus in die „Rua Rent a car“ auf der anderen Seite des Autobahnzubringers. Hier müsst ihr gerade bei den günstigen Anbietern Zeit mitbringen, denn es herrscht großer Andrang.

Autobahn oder Nationalstraße?

Ihr habt in Portugal die Wahl zwischen überwiegend mautpflichtigen Autobahnen und Nationalstraßen, auf denen es sehr zäh vorangeht. Ihr müsst dazu wissen, dass es einige Autobahnen gibt, auf denen ausschließlich elektronisch gezahlt werden kann. Dazu gibt es eine kleine Box – Via Verde – mit der eure mautpflichtigen Abschnitte automatisch erfasst und nach Rückgabe des Mietwagens abgerechnet werden. Diese Box müsst ihr zusätzlich für ungefähr zwei Euro pro Tag mieten – oder eben aufpassen, dass ihr nicht auf Autobahnen mit ausschließlich elektronischer Zahlungsmöglichkeit fahrt.

Ich habe die mautpflichtigen Strecken fast komplett gemieden. Erstens bin ich zu geizig, mein Reisebudget für Wegelagerei auszugeben und zweitens sind die Autobahnen zwar schnell, aber auch unglaublich langweilig. So bin ich nur einen kurzen Abschnitt von etwa zehn Kilometern auf der Autobahn gefahren, als wegen eines Radrennens viele Straßen gesperrt waren und habe für diese Strecke 0,85 Euro bezahlt.

Bei Google Maps könnt ihr zum Glück als erweiterte Option angeben, dass mautpflichtige Straßen gemieden werden sollen. Das hat bei mir hervorragend geklappt. Da wir uns ja an der Küste aufhalten wollen, sind die Nationalstraßen die beste Wahl – und ein bisschen Entschleunigung tut im Urlaub ja auch ganz gut.

Costa Prata – von Porto nach Figueira da Foz

Espinho

Ich war gegen 16:30 Uhr in Porto angekommen und musste dann noch eine ganze Weile auf den Mietwagen warten, so dass ich als erste Unterkunft ein kleines privates Guesthouse in Espinho, ungefähr 30 Kilometer südlich von Porto, gewählt hatte. Espinho hat einen schönen Strand und eine lebhafte Promenade. Der Ort profitiert vor allem von Wochenendgästen aus Porto.

Espinho hat gerade am Wochenende ein für so einen kleinen Ort erstaunlich lebendiges Nachtleben. Freunde des Zockens können ihr Geld im Casino verlieren. Wer gerne spazieren geht, kann den 14 Kilometer langen Wanderweg entlang der Küste nach Vila Nova de Gaia ausprobieren. Was man allerdings in diessem Küstenort nicht kann, ist baden gehen. Der Atlantik wärmt sich auch im Sommer kaum mehr als auf 17, 18 Grad auf. Surfer kommen dagegen voll auf ihre Kosten.

Espinho, Costa Prata, Sonnenuntergang
Sonnenuntergang in Espinho

Ovar

Bis Figueira da Foz folgt ihr auf dem Weg nach Süden entlang der Küste überwiegend der N109. Es handelt sich nicht im engeren Sinne um eine Küstenstraße, denn tatsächlich führt die Nationalstraße eher durch die verschiedenen Orte als am Strand entlang. Wer also Sehnsucht nach Meer bekommt, macht immer mal wieder Abstecher von der N109 Richtung Strand.  Besonders lohnenswert ist ein Abstecher in Ovar, denn die dortigen Strände sind zum Niederknien.

Generell führt der starke Wind, der einem dauerhaft um die Nase weht, dazu, dass man mit einem traumhaft blauen Himmel rechnen kann. Besonders spektakulär ist der Strand in Fuadouro. Wer nach einem ausgiebigen Strandspaziergang Hunger verspürt, der ist in der Bamboo Bar direkt am Strand sehr gut aufgehoben.

Wer von Ovar ein paar Kilometer ins Landesinnere fährt, kann mit der Burg Santa Maria de Feira eines der bedeutendsten portugiesischen Schlösser des Mittelalters besichtigen. Eintritt kostet zwei Euro.

Aveiro

Auf dem Weg nach Aveiro, der größten Küstenstadt auf dem Weg Richtung Lissabon, kann man in dem schönen kleinen Örtchen Avanca direkt an der N109 zum Mittagessen in der Triangulu’s Bar einkehren. Sie befindet sich recht zentral im Ortskern und nah an der N109. Avanca ist seit den 1970’er Jahren eine Kleinstadt („vila“), hat sich aber einen dörflichen Charakter bewahrt. Der Ortskern ist dominiert von weiß getünchten Häusern, was hervorragend mit der Freundlichkeit der Bewohner korrespondiert.

Rund 80 Kilometer südlich von Porto wartet das „portugiesische Venedig“, wie die 80.000 Einwohner große Stadt am Atlantik wegen der drei Stadtkanäle Canal de São Roque, Canal das Pirâmides und Canal dos Santos Mârtires oft genannt wird. Bei der Fahrt in die Stadt wird einem allerdings erst einmal klar, dass Aveiro einer der größten Wirtschaftsstandorte Portugals ist. Zahlreiche Industrieansiedlungen haben die Wirtschaftskraft der Region deutlich gestärkt. Zu den bekannteren Firmen gehören Renault und Bosch.

Wenn man sich durch die tristen Vororte und Industriegebiete gelangt man in das doch ganz reizvolle Stadtgebiet. Vor allem die Kanäle mit ihren an Venedig angelehnten Gondeln, den Moliceiros, verleihen der Stadt einen eigenen Charakter. Wer die Zeit hat, sollte sich mal eine Gondelfahrt gönnen.

Für Architektur- Liebhaber bietet sich ein Besuch des Rossio- Viertels mit seinen Bauten im Art Nouveau- Stil an. Wer wie ich ein Architektur- Banause ist, kann sich trotzdem an der schönen Atmosphäre dort erfreuen. Das Gleiche gilt für Costa Nova, den Stadtteil an der Atlantik- Küste mit seinen farbenfrohen Häusern. Ganz sicher ein Pflicht- Fototermin.

Figueira da Foz

Kurz hinter Aveiro erreicht ihr an der N109 das charmante kleine Dorf Mira, das etwas weiter im Landesinnern liegt. Es gibt allerdings auch den Ableger Praia da Mira ein paar Kilometer weiter direkt an der Küste. Der Ort lädt zum Schlendern ein und eignet sich für ein gutes Mittagsessen – zum Beispiel im Salgaboca in Praia da Mira mit ausgezeichneten Fischgerichten. In Mira direkt ist das LITUR mit seiner Auswahl an kleinen Tapas- Gerichten sehr zu empfehlen.

Weiter voran auf der N109 erreicht ihr bald Figueira da Foz, das von den Einheimischen meist nur Figueira genannt wird. Figueira liegt ungefähr in der Mitte zwischen Porto und Lissabon und hat mit all den Eingemeindungen knapp unter 100.000 Einwohner. Von den Touristen wird meist das Bairro Novo, das im Art Deco Stil angelegte Viertel im Stadtzentrum an der Mündung des Mondego, bevorzugt. Das Bairro Novo lässt sich gut zu Fuß erkunden und ist voll von trendigen Bars und Restaurants von der Tapas Bar bis zum Sterne- Restaurant.

Figueira ist bekannt für seine breiten Strände wie den Praia de Claridade, der sich mehrere Hundert Meter von der Avenida bis zum Wasser erstreckt. Das Wasser ist hier auch nicht viel wärmer als an der restlichen Küste, aber immerhin ist hier relativ ruhiger Wellengang, so dass sich hier eher Surf- Anfänger tummeln.

Ansonsten gibt es im Bairro Novo genug zu sehen für einen mehrtägigen Aufenthalt. Das riesige Casino, der Palacio Sotto Mayor, das Forte Santa Caterina sind nur einige der Sehenswürdigkeiten, die hier locken. Auch wer sich aus Kultur wenig macht, wird von der tollen Atmosphäre in den engen Straßen des Bairro Novo begeistert sein.

Costa Prata – im Bogen zurück über Coimbra

Im Grunde war Figueira als Wendepunkt gedacht, doch ich habe mich kurzerhand entschlossen, noch einen kleinen Bogen über Nazare und Caldas de Rainha zu schlagen und dann noch eine Nacht in Coimbra einzulegen.

Auf den ca. 80 Kilometern von Figueira nach Nazare folgt ihr wiederum der N109, die auf dieser Strecke weitgehend an der Küste entlang führt und so für eine tolle Aussicht sorgt. Nazare ist ein schöner kleiner Küstenort, von dem ich allerdings nicht viel mehr als Versus Restaurante gesehen habe. Dieses gilt als Geheimtipp, weil es in einer Seitengasse relativ schwer zu finden ist. Die Qualität des Essens dort ist formidabel – allerdings zahlt man auch einen angemessenen Preis.

Nazare Strand, Costa Prata
Strand von Nazare

Mir war ein bisschen nach Meter- Machen und so bin ich noch die 30 Kilometer bis Caldas da Rainha weitergefahren. Caldas ist ein freundlicher Ort, der von seinen Jugendstilfassaden geprägt ist. Es gibt hier wohl auch noch eine Stierkampfarena, aber das ist eher nicht so meins. Von hier wäre es nicht mehr weit zum westlichsten Punkt Portugals, der kleinen vorgelagerten Halbinsel Peniche, gewesen, aber irgendwann muss auch mal gut sein.

Coimbra

Letzte Station auf dem Weg zurück nach Porto durch das Landesinnere war schließlich die Universitätsstadt Coimbra. Von den knapp 150.000 Einwohnern sind etwa 30.000 Studenten, die das Stadtbild entsprechend prägen. Es herrscht eine relaxte Atmosphäre und der hohe Anteil an Studenten hat eindeutig auch Einfluss auf das Nachtleben – soweit dieses nach Corona wieder existiert.

Portugal pur – Eine Reise entlang der Costa Prata (Silberküste) -Fazit

Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob Portugal und speziell die Costa Prata ein idealer Ort für Auswanderer ist. Auf jeden Fall ist es aber ein tolles Reiseziel.

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor. Außerdem empfehle ich euch die Lektüre meiner aktualisierten Übersicht zu den besten kostenlosen Reisekreditkarten 2021.

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Wer schreibt denn hier?

Kai hat sich 2015 nach Jahren des Reisens schrittweise aus Deutschland verabschiedet und lebt seitdem die meiste Zeit des Jahres in Asien. In seinem früheren Leben hat er 10 Jahre in der Arbeits- und Sozialrechtsberatung gearbeitet.



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