Sicherheit auf Reisen

Projekt Weltreise – Sicherheit auf Reisen

Natürlich sollte man auf einer Weltreise mit offenem Herzen, aber auch mit offenen Augen auf Einheimische und andere Backpacker zugehen. Deshalb will ich ein paar grundlegende Hinweise zur Sicherheit auf Reisen geben.

Die Grundregel ist, dass man auf Reisen seinen gesunden Menschenverstand nicht ausschaltet. Darüber hinaus gibt es natürlich länderspezifische Besonderheiten, die hier nicht in der Tiefe dargestellt werden können. Aber ein paar grundsätzliche Tipps gelten für alle Länder der Welt.

Sicherheit auf Reisen – Bleibt unauffällig

Je ärmer das Land, das man bereist, desto weniger sollte man „Reichtum“ zur Schau stellen, wobei Reichtum eine sehr relative Sache ist. Generell sollte man auffälligen Schmuck oder teure Uhren meiden, nur das Nötigste an Bargeld mit sich führen und seine Papiere im Hotelsafe lassen und nur eine Kopie mit sich führen. Portemonnaies oder Smartphones sollten niemals in der hinteren Hosentasche verstaut werden; besser sind ohnehin Brustbeutel, Bauchgurte oder eingenähte „Geldkatzen“ – ein bisschen Kleingeld sollte man in der Hosentasche haben, um im Notfall den Kleinkriminellen zufrieden zu stellen, der einem mit der Knarre vor dem Kopf rumfuchtelt.

Nie in der Öffentlichkeit mit Bündeln von Geld rumhantieren und nach Möglichkeit, nicht vor Publikum seine Hilflosigkeit zur Schau stellen, indem man auf dem Marktplatz erst einmal den Stadtplan auspackt. Aber auch für vergleichsweise wenig Geld sollte man nie den Helden spielen – in der trügerischen Annahme, dass das Gegenüber euch schon nicht für eine Handvoll Pesos umbringen würde. Ein Leben ist in armen Ländern sehr viel weniger wert als in Europa und die Hemmschwelle, einem das Licht auszupusten, ist in vielen Ländern viel niedriger, als man es aus Deutschland erwarten würde.

Zudem sollte man auch beim Feiern dem Alkohol nie bis zur Besinnungslosigkeit frönen, denn Alkohol betäubt nicht nur das Urteilsvermögen sondern auch die Reaktionsschnelligkeit in brenzligen Situationen. Dass man nach Alkoholgenuss nicht mehr selbst Auto oder Moped fahren darf, sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Man landet ansonsten schnell in Untersuchungshaft – und das in Ländern, wo man überall sein möchte, aber nicht im Gefängnis. In einigen Gegenden der Welt sollte man auch bei angebotenen offenen Getränken Vorsicht walten lassen, da sich gerade in asiatischen Ländern (Indien!) KO- Tropfen immer noch großer Beliebtheit erfreuen.

Vorsicht vor Trickbetrügern

Während in Südamerika die Gefahr größer ist, Opfer eines Gewaltverbrechens wie Raubüberfall zu werden, sind in Asien eher Trickbetrügereien weit verbreitet. Da die Menschen in Asien eigentlich sehr zurückhaltend sind, sollte man immer mit einem gesunden Misstrauen reagieren, wenn man von wildfremden Menschen mitten auf der Straße angequatscht wird.

Die Masche ist immer die gleiche: Mit einer freundlichen Plauderei wird bei euch die Hemmschwelle hochgesetzt, ein Gespräch abrupt abzubrechen und einfach zu gehen. Das fällt einem naturgemäß schwerer, wenn man sich bereits auf ein paar Minuten „Warm up“ eingelassen hat.

Wenn der Betrüger nun also auf dreist umschaltet, ist einem oft die gute Erziehung im Weg, diesem „freundlichen“ Menschen einfach vor den Kopf zu stoßen und weiter zu gehen. Man muss sich auf Reisen manchmal auch ein bisschen Unfreundlichkeit antrainieren, wenn man den Eindruck bekommt, dass ein Gespräch in eine falsche Richtung läuft. In solchen Situationen ist es oft angemessen, sich einfach umzudrehen und wegzugehen als sich in eine Diskussion verwickeln zu lassen, warum man denn plötzlich so unfreundlich ist. Bedenkt dabei, dass euer Gegenüber diese Situation vermutlich schon hunderte Male durchexerziert hat und entsprechend routinierter auf Bedenken und Einwände reagieren kann. Wenn euer Bauchgefühl sagt, dass mit eurem Gegenüber etwas nicht stimmt, ist es besser, für ein paar Sekunden unfreundlich zu sein, als sich lange darüber zu ärgern, abgezogen worden zu sein.

Sicherheit auf Reisen – Vorsicht vor Landsleuten

Leider ist es so, dass die Gefahr im Ausland abgezogen zu werden, oft weniger von den Einheimischen als von Landsleuten ausgeht, die in dem bereisten Land leben und sich ihren Lebensunterhalt mit kleinen Betrügereien verdienen. Dabei wird insbesondere bei jungen Backpackern an zwei Charaktereigenschaften appelliert: Mitleid und Solidarität.

Niemand möchte in der Ferne gerne in eine Notsituation geraten. Deshalb ist die Chance, dass der gesunde Menschenverstand eine kleine Pause einlegt besonders groß, wenn man von einem traurigen Menschen angesprochen wird, dem gerade das ganze Geld, der Pass, der Rucksack oder wer weiß was noch geklaut wurde. Klar, dass demjenigen mit ein paar Euro schon geholfen wäre.

Wenn es dann auch noch ein Landsmann ist, ist die Identifikation noch ungleich größer, denn man stellt sich unwillkürlich vor, wie es einem selbst in einer solchen Not gehen würde.

Dass der Text und die vermeintliche Notsituation oft über Jahre einstudiert wurde, um junge Menschen um ein paar Euro zu erleichtern, wird einem wegen des Mitleids und der Solidarität dann oft nicht sofort klar und es geht natürlich auch immer eher um Kleinbeträge.

Trotzdem lohnt es sich, die Geschichte ein bisschen auf Plausibilität abzuklopfen, möglicherweise auch Polizei oder Behörden wie die deutsche Botschaft mit einzubeziehen. Wer wirklich in Not ist, wird den Gang zur Polizei oder ein Telefonat mit der Botschaft nicht scheuen; wer nur ein paar schnelle Euro aus eurer Reisekasse haben will, wird irgendeine dumme Ausrede parat haben, warum er nicht zur Polizei gehen kann, obwohl ihm doch gerade alles gestohlen wurde.

Sicherheit auf Reisen – Nicht-finanzielle Hilfe anbieten

Man bekommt unterwegs mit der Zeit übrigens ein Gefühl dafür, wer wirklich in Not ist. Ich bin in Marseille am Bahnhof mal von einem gepflegten älteren Landsmann angesprochen worden, dem auch gerade alles geklaut wurde. Irgendwie klang die Geschichte einstudiert, andere Hilfe als Geld wollte er aus den verschiedensten Gründen nicht. Kurzum: Ich habe ihm kein Geld gegeben.

Als ich zwei Tage später wieder am Bahnhof stand, um weiter nach Rom zu fahren, sehe ich den Typen doch tatsächlich frisch rasiert und mit frischem Polohemd, wie er gerade einer Gruppe von jungen Backpackern wieder seine Story erzählt. Ich gehe dazwischen und warne die Jungs, und der Abzieher wäre mir fast an den Kragen gegangen.

Ähnliche Situationen habe ich viele in allen möglichen Ländern erlebt. Mein Tipp: Immer erst mal nicht-finanzielle Hilfe anbieten und schauen, wie der Notleidende reagiert. Wenn er wirklich ein Problem hat, wird er für jede Hilfe dankbar sein; wenn er nur auf Geld aus ist, könnt ihr ziemlich sicher davon ausgehen, dass ihr einen Abzieher vor euch habt.

Man darf sich die gute Laune nicht verderben lassen und sollte auch nicht zu voreingenommen oder ängstlich auf einheimische Menschen zugehen. Aber es gibt ein paar Dinge, die anders sind als im “ordentlichen” Deutschland und die ungewohnt, zuweilen auch lästig sein können.

Betteln und Feilschen

Wer glaubt, schnorrende Punks in einer deutschen Fußgängerzone seien nervig, der dürfte sich in Indien auf einiges gefasst machen. In ärmeren Ländern gelten Weiße per se als „reich“ und die Penetranz, mit der auch flüchtenden Touristen nachgesetzt wird, ist schon beeindruckend. Will man auf seinem Weg keinen ständigen, lächelnden Begleiter mit offener Hand neben sich haben, so hilft nur die unhöflichste aller Reaktionen: Ignorieren! Wer sich auf Diskussionen einlässt oder den Bettelnden auch nur anschaut, hat verloren. Wer meint, sich freikaufen zu können und ein bisschen Kleingeld springen lässt, läuft Gefahr, direkt in ein Feilschen überzugehen.

Feilschen ist in arabischen, aber auch karibischen Ländern ein Volkssport, bei dem der Tourist immer der Verlierer ist. Ein paar Grundregeln helfen aber, den Schaden zu begrenzen:

IMMER einen Preis vor einer Dienstleistung festlegen. Egal ob Taxifahrt, Bootsfahrt auf dem Ganges oder Hotelzimmer: Immer vorher den Preis vereinbaren.

Oft wird das verlockende Angebot gemacht „You look at my work and then pay, what you want“. Dumm nur, dass sich der Andere danach nicht mehr daran erinnern kann und natürlich jedes Angebot – egal wie hoch – brüsk ablehnen und als Angriff auf die Ehre auffassen wird.

Während der Preis also vorher feststehen muss, gilt aber natürlich: bezahlt wird erst nach erbrachter Leistung. Nicht einlassen auf erforderliche Anzahlungen o.ä.

Manchmal gibt es staatlich festgelegte Preise (z.B. in vielen Ländern bei Taxis); kundig machen und darauf bestehen!

Sicherheit auf Reisen - Feilschen will gelernt sein
Richtig feilschen will gelernt sein

Man wird nie den Preis bekommen, den Einheimische zahlen würden. Wenn es sich ergibt, bittet Einheimische den Kauf für euch abzuwickeln. Leider ist die Solidarität unter diesen sehr groß, wenn es darum geht, „reiche“ Weiße abzuzocken.

Beim Feilschen nie zu hoch einsteigen. Geht davon aus, dass der geforderte Preis meist um das Drei- oder Vierfache zu hoch ist, oft auch um das Zehnfache. Wenn ein Straßenhändler in Goa für eine handgemachte Trommel 1000 Rupien haben will, würde ein Einheimischer höchstens 50 Rupien bezahlen. Du bekommst sie aber – wenn du sehr gut feilscht – vielleicht für 500 Rupien. Wenn du aber mit 500 Rupien einsteigst, dann wird der Preis am Ende näher an den ursprünglich geforderten 1000 Rupien liegen.

Außerdem hat es sich als nützlich erwiesen, als erstes nicht nach dem Preis für das zu fragen, was ihr wirklich haben wollt, sondern zunächst den Preis für ein anderes Produkt erfragen. Auf den genannten Preis dann nicht eingehen sondern nur missmutig gucken und dann eher beiläufig nach dem fragen, was ihr wirklich haben wollt. Die Chance, dass der zweite Preis etwas realistischer ist, ist dann erfahrungsgemäß recht hoch; jedenfalls habt ihr dann eine bessere Ausgangsbasis fürs Feilschen.

Bei allem Feilschen dürft ihr aber nie vergessen, dass am Ende ein Preis stehen muss, mit dem beide Seiten im wahrsten Sinne des Wortes leben können.

Sicherheit auf Reisen – Fazit

Während das Betteln und Feilschen eher aus der Kategorie Ärgernis stammt, aber selten wirklich zu einer Gefahr wird, können andere Situationen sehr schnell komplett aus dem Ruder laufen. Der beste Schutz ist Unauffälligkeit. Keine Markenklamotten, kein teurer Schmuck und nicht mit Bargeld in der Öffentlichkeit hantieren, sind die Essentials, Ärger aus dem Weg zu gehen. Wenn ihr dann noch die Finger von Alkohol und Drogen lasst und immer ein paar kleine Scheine griffbereit habt, um im Ernstfall einen Räuber zufrieden zu stellen, dann werdet ihr schon viel sicherer unterwegs sein.

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor. Außerdem empfehle ich euch die Lektüre meiner aktualisierten Übersicht zu den besten kostenlosen Reisekreditkarten 2021.

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Wer schreibt denn hier?

Kai hat sich 2015 nach Jahren des Reisens schrittweise aus Deutschland verabschiedet und lebt seitdem die meiste Zeit des Jahres in Asien. In seinem früheren Leben hat er 10 Jahre in der Arbeits- und Sozialrechtsberatung gearbeitet.



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