Kambodscha

Im Bus unterwegs in Kambodscha

Der normale Kambodscha-  Reisende wird sich vermutlich einen Überblick über die drei großen Reiseziele in dem Land verschaffen wollen. Dies sind Sihanoukville an der Küste im Süden, die Hauptstadt Phnom Penh im Osten und Siem Reap wegen seiner Nähe zu den berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat.

Zwar haben alle drei Städte einen eigenen Flughafen, doch gibt es keine Inlands- Flugverbindungen zwischen ihnen. Diese sind auch nicht nötig, denn das Straßennetz ist immerhin so gut ausgebaut, dass man in erträglicher Zeit mit dem Reisebus zwischen den Städten hin und herreisen kann.

„Gut ausgebaut“ bedeutet in Kambodscha aber auch gerade mal, dass die Straßen asphaltiert und in ordentlichem Zustand, also ohne viele Schlaglöcher sind.

Die Fortbewegung findet entweder in vergleichsweise teuren Taxis, in sehr unkomfortablen Minibussen oder in preisgünstigen und relativ komfortablen Reisebussen statt. Einen zeitlichen Unterschied macht die Wahl des Fortbewegungsmittels nicht aus, da auf allen Straßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h gilt.

Im Grunde gibt es für eine Rundreise genau zwei Varianten, wenn man auf dem Landweg aus Thailand einreisen möchte: Entweder im Uhrzeigersinn bei Aranyaprathet/Poipet einreisen, weiter nach Siem Reap, Phnom Penh, Sihanoukville und über Koh Kong wieder zurück nach Thailand oder eben genau umgekehrt.

Mit dem Bus von Koh Kong nach Sihanoukville

Aus verschiedenen Gründen, vor allem was die problematische Einreise nach Kambodscha über Poipet betrifft, empfiehlt sich eher die zweite Variante mit der Einreise über Koh Kong.

Dabei ist schon die erste Strecke, die man dann zurücklegt, eine der landschaftlich reizvollsten überhaupt in Kambodscha. Gerade zwischen Koh Kong und Sre Ambel kann man aus dem klimatisierten und fast schon luxuriösen Reisebus des Anbieters Virak Buntham für 8 US Dollar die geballte landschaftliche Schönheit bestaunen. Der Reisebus verfügt über eine Bordtoilette und es gibt kostenloses Mineralwasser. Der Bus benötigt mit einem Zwischenstopp bei Sre Ambel ca. vier Stunden nach Sihanoukville.

Hier gibt es die besten Busverbindungen von Koh Kong nach Sihanoukville*.

Sihanoukville – Dinge, die man sehen muss

Vor zehn Jahren hätte ich mir an einem Kapitel mit Dingen, die an Sihanoukville total cool sind, noch die Finger wund geschrieben. In 2020 kann man nur noch dazu raten, die Stadt zu meiden und schnell weiter zu fahren. Früher konnte man an den traumhaft schönen Stränden Serendipity, Otres, Independence usw. Wochen verbringen und einfach das easy life am Strand genießen. Sihanoukville war bei Backpackern aus der ganzen Welt beliebt und entsprechend gut war die Infrastruktur an internationalen Restaurants, Pubs und Clubs – und wer von all dem schließlich die Schnauze voll hatte, ist einfach mit dem Speedboat nach Koh Rong oder Koh Rong Samloem übergesetzt und hat sein Ying und Yang einfach vom Wechsel von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang leiten lassen.

All das ist lange vorbei und wer heute nach Sihanoukville kommt, sieht Betonwüsten, Baustellen und Müllhalden. Sihanoukville ist weltweit zum größten Mahnmal dafür geworden, was passiert, wenn man sich chinesischen Infrastrukturprojekten unterwirft. Die Stadt ist fest in chinesischer Hand und das lässt man westliche Ausländer dort auch spüren. Wir sind dort nicht mehr willkommen und sollten deshalb auch einen Bogen um diesen Ort machen. Ein Jammer!

Independence Beach Sihanoukville Anfang 2017
Independence Beach Sihanoukville Anfang 2017

Von Sihanoukville nach Phnom Penh

Die Strecke zwischen Sihanoukville und der Hauptstadt Phnom Penh wird dann schon von einer Vielzahl unterschiedlicher Reiseunternehmen bewirtschaftet, die sich vor allem in Alter und Komfort ihrer Busse und weniger im Preis unterscheiden. Der Preis beträgt relativ einheitlich 6 US Dollar und die Fahrt dauert bei einem Zwischenstopp ca. sechs Stunden.

Ich bin die Strecke mit Capitol gefahren und es war okay. Beinfreiheit für einen großen Menschen gerade ausreichend, Bordtoilette vorhanden und Aircondition funktionierte. Wasser gab es allerdings nicht umsonst.

Alle Busverbindungen von Sihanoukville nach Phnom Penh*

Phnom Penh – Dinge, die man sehen muss

Auch die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, auch hier steckt vor allem chinesisches Geld hinter den Großprojekten und auch hier ist die Entwicklung nicht nur zum Vorteil der Stadt. Kann man von Sihanoukville noch sagen, dass es sich dort irgendwie immer schon um eine Retortenstadt gehandelt hat, die wegen der Küstennähe am Reißbrett entworfen wurde, ist Phnom Penh eine gewachsene Stadt mit vielen kulturellen Einflüssen und vor allem auch Brüchen, die die Hauptstadt einzigartig gemacht haben.

Der rotzige Charme einer Metropole, die im Herzen immer ein Dorf geblieben ist, droht hinter den gesichtslosen Hochhausblöcken verloren zu gehen. Die Veränderungen gehen zudem einher mit spürbaren Mietpreiserhöhungen, was nicht nur für Expats fatal ist, die sich keine Wohnungen im Riverside- Viertel mehr leisten können sondern auch Geschäfte, Guesthouses und vor allem die Vielzahl an kleinen hervorragenden Restaurants in Existenznöte bringt.

Man kann in Phnom Penh problemlos ein paar Tage mit Sightseeing verbringen, wenn man an solchen Dingen wie buddhistischer Kultur interessiert ist. Typische Must- sees sind natürlich der Königspalast und einige der vielen Pagoden (Tempel), von denen Wat Botun und Wat Langka hervorstechen, weil sie zu den fünf Original- Pagoden von Phnom Penh aus dem Jahr 1422 stammen.

Wer sich für die jüngere und sehr düstere Geschichte Kambodschas interessiert, muss unbedingt einen Tag für einen Besuch des Tuol Sleng Foltergefängnis der Roten Khmer einplanen. Man braucht keinen kompletten Tag, sich das alles in Ruhe anzuschauen, aber man ist danach nicht mehr in der Stimmung für irgendeine andere Form von Unterhaltung. Ich war inzwischen fünf oder sechs Mal dort und habe auch einen der wenigen Überlebenden des Gefängnisses kennengelernt. Unbedingt die Audio Tour über Kopfhörer mitverfolgen.

Ich habe über Tuol Sleng auch einen eigenen Artikel geschrieben: Tuol Sleng – Foltergefängnis der Roten Khmer

Zu den “Sehenswürdigkeiten”, die nur einen klangvollen Namen haben, gehört das Olympia Stadion an der Krezung von Charles de Gaulle Blvd und Sihanouk Blvd. Olympische Spiele fanden in Kambodscha nämlich nie statt. Das Stadion wurde Anfang der 60’er Jahre errichtet. Seitdem fand mit der Ersatz- Olympiade GANEFO nur eine größere Sportveranstaltung 1966 dort statt. Heute ist das Olympiastadion eine Bauruine, die allerdings von der Bevölkerung rege für Breitensport genutzt wird, weil der umliegende Sportpark eine Schwimmhalle, eine Badminton- Halle sowie weitere Sporthallen umfasst.

Zu Phnom Penh, einer meiner heimlichen Lieblingsstädte in Südostasien, habe ich noch einen längeren Artikel geschrieben: Phnom Penh – Das neue Mekka für Backpacka

Phnom Penh
Phnom Penh

Mit dem Bus von Phnom Penh nach Siem Reap (Angkor Wat)

Die Strecke zwischen Phnom Penh und Siem Reap ist mit etwa 320 km der längste Streckenabschnitt mit sechs bis sieben Stunden Fahrtdauer, und ich hatte das Pech, ausgerechnet auf dieser Strecke mit Sokha Komar Tep einen miesen Anbieter gewählt zu haben. Zwar war eine Bordtoilette vorhanden, doch fiel unterwegs die Klimaanlage aus und so hatten wir in der Mittagshitze das Gefühl, in einem Zug der Deutschen Bahn zu sitzen. Nebenbei stank der alte Karren auch noch nach Diesel. Da war die kleine Flasche Wasser, die im Preis von sechs US Dollar inbegriffen war, ein schwacher Trost.

Andere Reisende haben gute Erfahrungen mit dem „VIP- Bus“ des Anbieters Paramount gemacht, der für acht US Dollar zu haben ist.

Insgesamt darf man sich von den hochtrabenden Bezeichnungen der Anbieter nicht blenden lassen. Die oben genannte Schrottkiste nach Siem Reap wurde vom Anbieter als „VIP- Express- Limousine“ (kein Scherz!) beworben. Man hatte aber eher den Eindruck, dass der Karren im Bürgerkrieg einen Flakangriff der Roten Khmer nur knapp überstanden hat. Hier findet ihr die günstigsten Busverbindungen von Phnom Penh nach Siem Reap.*

Es gibt auch eine Bootsverbindung zwischen Phnom Penh und Siem Reap auf dem Tonle Sap River, die allerdings mit 35 USD maßlos überteuert und dazu die meiste Zeit der Strecke unglaublich eintönig ist, weil man für lange Zeit durch den Tonle Sap See fährt und nichts anderes sieht als dreckiges Wasser um einen herum. Je nach Jahreszeit dauert die Fahrt drei bis fünf Stunden.

 


Eine direkte Verbindung von Siem Reap nach Sihanoukville gibt es zwar auch, doch sind die Straßen dort nicht besonders gut ausgebaut, weshalb die Strecke zwölf bis 16 Stunden in Anspruch nimmt. Insgesamt sind die Reisebusse in Kambodscha aber eine kostengünstige Variante, von A nach B zu kommen.

Siem Reap – Dinge, die man sehen muss

Man darf sich da keine falschen Hoffnungen machen; wenn man an Tempeln nicht interessiert ist, hat man in Siem Reap nichts zu suchen. Der einzige Existenzgrund dieser Stadt ist die Nähe zu den alten Tempelanlagen von Angkor Wat ca. fünf Kilometer nördlich der Stadt. Besucher von Siem Reap kommen also hier zum Schlafen her – den Tag über verbringen sie in den weitläufigen Anlagen des archäologischen Parks um Angkor Wat, der auch groß genug ist, hier mehrere Tage herzukommen.

Man wird sich in der Regel einen Führer mit einem Tuktuk mieten, der einen von Sehenswürdigkeit von Sehenswürdigkeit fährt. Der Vorteil an dieser Variante ist, dass man gleich einen kundigen Ratgeber zur Seite hat, der weiß, wann die Touristenströme zu welchem Tempel ziehen und es einem damit ermöglicht, sich azyklisch zu verhalten.

Darüber hinaus gibt es aber noch für jeden Geldbeutel weitere Fortbewegungsmöglichkeiten: vom gemieteten Fahrrad über den Elefantenritt bis hin zur Ballonfahrt oder dem Helikopter- Flug. Einen guten Rat gebe ich euch noch für euren Besuch in Angkor Wat: Nehmt euch ein Handtuch mit, denn ihr werdet seeeehr viel schwitzen…

Angkor Wat
Angkor Wat

Ein Abstecher nach Battambang

Von Siem Reap könnt ihr entweder den Direktbus nach Bangkok nehmen oder noch einen Abstecher in die zweitgrößte Stadt Kambodschas, Battambang, machen, die ca. 175 km südwestlich von Siem Reap gelegen ist. Obwohl Battambang nach Phnom Penh die zweitmeisten Einwohner hat, ist nichts wirklich “metropolitan” an diesem etwas zu groß geratenen Dorf. Abstecher ist eigentlich auch das falsche Wort, denn man sitzt fünf Stunden im Bus und die Straßen sind deutlich schlechter als von der Hauptstadt nach Siem Reap.

Battambang ist arm an Sehenswürdigkeiten, aber reich an authentischem Khmer Alltagsleben – und das in einer gut erhaltenen kolonialen Stadtarchitektur. Einer Legende nach verdrängte ein armer Hirte, Ta Dambong, hier mittels seines Zauberstabs den Khmer König. Unter düsteren Umständen floh Ta Dambong schließlich aus der Stadt und wurde nie wieder gesehen. Im Stadtzentrum gibt es ein Monument von ihm mit seinem Zauberstab, dem Bat. Bat Dambong ist daher der Namensgeber der Stadt.

Nichts zu tun hat der Name daher mit einer weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt, den Bat Caves, also den Fledermaushöhlen am Phnom Sampov. Jeden Tag zum Sonnenuntergang machen sich von hier aus Millionen von Fledermäusen auf die Nahrungssuche. Man muss sich keine Sorgen machen, in der Zwischenzeit irgendwas in Battambang zu verpassen, denn an Nachtleben ist die Stadt vergleichsweise arm.

Battambang Cambodia
Battambang Cambodia

Im Bus unterwegs in Kambodscha – Fazit

Kambodscha ist ein faszinierendes Land mit einer Reihe von Orten, die man sich anschauen sollte, wenn man eine Rundreise macht. Taxis sind für kambodschanische Verhältnisse auf der Langstrecke zu teuer und Minivans sind eine Tortur, die ihr unbedingt vermeiden solltet. Mindestens auf den großen Strecken gibt es viele verschiedene Anbieter, die komfortable Reisebusse zu sehr günstigen Preisen einsetzen,

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor. Außerdem empfehle ich euch die Lektüre meiner aktualisierten Übersicht zu den besten kostenlosen Reisekreditkarten 2020.

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Wer schreibt denn hier?

Kai hat sich 2015 nach Jahren des Reisens schrittweise aus Deutschland verabschiedet und lebt seitdem die meiste Zeit des Jahres in Asien. In seinem früheren Leben hat er 10 Jahre in der Arbeits- und Sozialrechtsberatung gearbeitet.



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