Sicher fliegen in Zeiten von Corona

Viele Leute wollen aus Panik vor dem Corona- Virus am liebsten überhaupt nicht mehr fliegen. Ich halte die Panik angesichts der vergleichsweise milden Krankheitsverläufe bei infizierten Europäern zwar für übertrieben, aber gebe hier trotzdem mal ein paar Tipps, wie ihr eure Umgebung im Flugzeug keimfrei halten könnt.

Ein paar Fakten zum Coronavirus

Gegen Hysterie helfen nackte Fakten nur bedingt, aber es schadet nichts, sich mit ein paar Auffälligkeiten vertraut zu machen. Coronaviren sind keine neue Erfindung sondern diese gibt es schon lange. Die Gruppe der Coronaviren gehört zu den typischen Erkältungsviren und die Chance, dass ihr schon einmal eine Coronavirus- Infektion hattet, ist relativ hoch. Der neue Typ Sars-CoV-2 hat zwar eine relativ hohe Letalität, also Todesrate, von ungefähr 2%, doch sind überwiegend ältere Menschen ab 60 oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem an dem Coronavirus gestorben.

Interessant sind Berichte über den Infektionsweg. Es scheint, als würde das Sars-CoV-2 an den so genannten ACE2- Rezeptoren in der Lunge andocken und von dort ihr zerstörerisches Werk verrichten. Man hat aber herausgefunden, dass Asiaten sehr viel mehr dieser ACE2- Rezeptoren in der Lunge haben als Europäer und damit größere „Angriffsfläche“ für das Virus bieten, was ein Grund dafür sein könnte, dass sich das Virus eben vor allem in asiatischen Ländern epidemieartig verbreitet.

Kinder sind von der Epidemie übrigens so gut wie gar nicht betroffen. Es ist unklar, warum das so ist, doch die Zahl infizierter Kinder und Jugendlicher liegt signifikant unter der Zahl infizierter Erwachsener.

Coronavirus: Ansteckungsgefahr im Flugzeug

Wo viele Menschen auf engem Raum über längere Zeit zusammensitzen, erhöht sich natürlich das Infektionsrisiko. Unmittelbare Gefahr geht von den Personen neben, hinter und eingeschränkt auch vor einem aus. Ein Platz in der Mittelreihe am Gang, wo zudem auch noch laufend Passagiere an einem vorbeilaufen, ist daher zwar für große Menschen ganz schön, weil man wenigstens ein Bein ausstrecken kann, doch das Ansteckungsrisiko ist hier entsprechend höher. Der beste Platz aus dieser Sicht wäre also der Fensterplatz – für große Menschen wie mich aber eine Qual, insbesondere in einer Boeing 737, die „runder“ gebaut ist als ihr Gegenstück von Airbus und deshalb die Schulterfreiheit deutlich einschränkt.

Potentielle Ansteckungsherde rund um euren Sitz sind alle Flächen, die häufig angefasst werden. Beim Sitz ist das also vor allem die Armlehne und in besonderem Maße der herunterklappbare Tisch, auf dem das Essen serviert wird. Dieser wird faktisch NIE wirklich sauber gemacht, geschweige denn desinfiziert und ist daher die größte Keimschleuder noch vor dem Toilettensitz.

Wer sich also mit einer kleinen Flasche Desinfektionsmittel bewaffnet an Bord begibt, muss zwei Dinge beachten: zum einen darf die Flasche nicht mehr als 100 ml beinhalten, da sie ansonsten den Weg durch die Sicherheitskontrolle nicht übersteht, zum anderen muss das Desinfektionsmittel auch mindestens „begrenzt viruzid“ sein, also auch tatsächlich gegen Viren helfen. Viele Desinfektionsmittel sind nämlich ausschließlich antibakteriell oder vielleicht noch fungizid. Ich habe im Flugzeug schon Leute mit Feucht- oder Erfrischungstücher ihre Sitze reinigen sehen. Riecht danach gut, nützt aber gegen Viren praktisch gar nicht.

Die nächste wichtige Stelle, die zu desinfizieren wäre, wenn man es denn ernst meint, ist natürlich die Armlehne. Teilt man sich diese mit einem Sitznachbarn, müsste man streng genommen permanent nacharbeiten, was praktisch unmöglich ist, ohne seinen Sitznachbarn schlecht aussehen zu lassen. Einfacher ist dagegen wieder die großflächige Bearbeitung des Touchscreen- Bildschirms im Sitz vor euch und – wenn ihr diese denn überhaupt benutzt – der Fernbedienung für das Entertainmentsystem.

Denkt daran, dass Stoff- Oberflächen nicht desinfiziert werden können. Kunststoff und Leder dagegen schon. Vergewissert euch vorher, dass euer Desinfektionsmittel keine Farblöcher reißt. Da die Sitze an sich in der Regel einen Stoffüberzug haben, müsstet ihr hier schon euren waschbaren Bezug selbst mitbringen, aber man kann es natürlich irgendwo auch übertreiben.

Viele Airlines haben inzwischen das Lesematerial in der kleinen Tasche vor euren Knien entfernt, da auch dieses natürlich durch viele Hände geht und entsprechend Ansteckungen befördern könnte.  So gewinnt ihr nebenbei noch ein paar Zentimeter Beinfreiheit, was für mich der viel größere Gewinn ist.

Auf der Toilette könnt ihr euch ganz unbeobachtet selbst verwirklichen und hier gibt es natürlich jede Menge Oberflächen, die viel berührt werden und daher nach einer Desinfektion schreien. Damit die Desinfektion wirklich wirksam ist, sollte sie übrigens die Oberfläche für einige Minuten benetzen.

Das Robert- Koch- Institut rät im Übrigen vom Gebrauch von Desinfektionsmitteln eher ab und empfiehlt ganz allgemein, die Hände regelmäßig zu waschen, da die meisten Infektionen über den Weg Hand- Gesicht passieren.

Was NICHT gegen Coronaviren hilft

Wie oben schon erwähnt. Wenn es unbedingt Desinfektionsmittel sein sollen, dann verwendet auch welche, die gegen Viren schützen. Sämtliche rein antibakteriellen Mittel sind wirkungslos gegen Viren.

Die allermeisten Atemschutzmasken, die in Asien fast jeder trägt, sind ebenfalls wirkungslos gegen Viren, weil Viren durch diese Baumwollgewebe schlicht hindurchdringen. Atemschutzmasken, die gegen Viren helfen, mmüssen zum einen fest anliegen und einen Virenfilter haben. Diese Virenfilter sind so fein, dass das Atmen unter diesen Masken eine Qual ist. Bei einem trotz aller Hysterie immer noch minimalen Ansteckungsrisiko und angesichts des bei Europäern durchweg milden Verlaufs ist das Tragen solcher Atemmasken einfach Unsinn.

Hilfreich ist es dagegen, wenn Leute, die erkältet oder sogar mit dem Coronavirus infiziert sind, einen Mundschutz tragen, denn der Infektionsweg ist häufig mittels Tröpfcheninfektion. Wer hustet oder niest, schleudert dabei kontaminierte Speicheltropfen in die Atemluft. Diese Tröpfchen kommen nicht so weit, wenn der Infizierte einen Mundschutz trägt.

Und eines darf man nicht vergessen: Wer eine virenfilternde Atemmaske trägt, weil er sich ums Verrecken nicht anstecken lassen will, wird auf das Essen und Trinken verzichten müssen, denn wenn ihr die Maske zum Essen abnehmt, war die ganze Tortur ja für den Arsch.

Sicher fliegen in Zeiten von Corona: Fazit

Insgesamt ist das Ansteckungsrisiko trotz der hohen Fallzahlen in Asien und die Gefahr eines schweren Verlaufs für gesunde Menschen immer noch eher gering. Wer sich trotzdem sicher fühlen möchte, kann wichtige Flächen, rund um den Sitz im Flugzeug mit Desinfektionsmittel desinfizieren. Ich wünsche allen eine gute und sichere Reise.

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