Meine 5 Reisetipps für 2020, Teil 2: Tel Aviv (Israel)

Bei Israel denkt man unwillkürlich immer an den Nahost- Konflikt und die damit verbundenen Sicherheitsbedenken. Doch das administrative Zentrum Tel Aviv direkt am Mittelmeer ist vor allem eine coole, junge Stadt, deren Einwohner offen sind und zu feiern wissen. Mein zweiter Reisetipp für 2020 führt uns nach Tel Aviv und Israel.

Ok zugegeben, die Einreise kann beschwerlich sein und sich hinziehen. Ähnlich der Einreise in die USA kommt es vor, dass man zusätzlicher Sicherheitskontrollen unterzogen wird. Fliegt man mit der staatlichen Airline El Al ist das sogar definitiv so und die Sicherheitskontrollen starten schon beim Check In in Deutschland. Auch bei der Ankunft wird man ggf. aus der Menge der Reisenden herausgefischt und durch Beamte des Geheimdienstes nach dem Grund der Reise, den geplanten Stationen und weiteren Details gefragt. Man sollte also bei Einreise schon einen Plan haben, wie lange man an welchem Ort und idealerweise auch in welchem Hotel man zu übernachten beabsichtigt.

Ich bin 2009 in eine solche Befragung geraten, als ich mit dem FC Schalke in der Champions League zum Auswärtsspiel bei Hapoel Tel Aviv angereist bin. Ich wusste zwar nicht, wie das Stadion heißt und habe mich wegen der Zeitumstellung auch noch bei der Anstoßzeit vertan, aber man hat mich trotzdem einreisen lassen. Ich habe dazu einen Artikel zur Einreise nach Israel verfasst.

Tel Aviv

Während Jerusalem das orthodoxe, religiöse Zentrum Israels ist, ist Tel Aviv ein vergleichsweise liberaler, weltoffener Schmelztiegel der Kulturen, wo Toleranz wichtiger zu sein scheint als Religion und wo die Nächte lang werden können. Am Mittelmeer- Strand trägt man Bikini statt Ganzkörper- Badeanzug und überhaupt ist die Atmosphäre in der Stadt verdammt relaxt.

Bei den „things you must do or see“ bin ich immer etwas vorsichtig. Ich habe für mich selbst schon vor langer Zeit entschieden, dass es mir nichts bringt, den Sweetspots anderer hinterher zu hecheln. Ich habe mehr Spaß daran, eine Stadt selbst zu erkunden – und das in aller Regel zu Fuß. Tel Aviv ist klein genug, genau das zu tun. Man wird unwillkürlich an Plätzen vorbeikommen, die im Reiseführer unter Sehenswürdigkeiten laufen, aber dann hat man sie selbst für sich entdeckt und ist dort nicht hingegangen, weil Tripadvisor das empfiehlt (wobei ich den Restaurant- Empfehlungen von Tripadvisor überall auf der Welt gerne folge und meistens damit auch gut gefahren bin). Das Tel Aviv Museum of Art, Habima Square, Rabin Memorial, Rothschild Boulevard sind so Plätze, an denen man unwillkürlich vorbeikommen wird.

Was viele immer magisch anzieht (mich auch) sind Strände. Der Stadtstrand von Tel Aviv und die Waterfront sind nicht überragend schön, aber es ist bis tief in den Spätherbst hinein warm genug, sich an der Promenade aufzuhalten. Praktischerweise gelangt man am Ende der Promenade (zu Fuß ist das allerdings ein gut halbstündiger Fußweg) in die historische Altstadt von Jaffa. In den verwinkelten mittelalterlichen Gassen kann man sich mal nach Herzenslust verlaufen. Ich bin da stundenlang ziellos umhergeirrt (dabei ist Jaffa gar nicht groß), bis ich gemerkt habe, dass ich langsam dehydriere.

Wem das zu stressig für Urlaub ist, kann sich in Tel Aviv ein Segway mieten und damit Richtung Jaffa cruisen. Täglich um 14 Uhr starten auch kostenlose Touren (zu Fuß) durch Old Jaffa am Clock Tower.

Wer nachts Action haben will, ist im Südteil von Tel Aviv sehr gut aufgehoben. Insbesondere der studentisch geprägte Stadtteil Florentine ist für sein cooles Nightlife mit schönen Pubs und ein paar Clubs bekannt. Wer es ein bisschen mehr High End haben möchte, den zieht es auf die Rothschild Avenue oder die Hafengegend im Norden Tel Avivs. Der Hafen beherbergt schon lange keine Boote mehr sondern wurde in den letzten zehn Jahren in ein chickes Ausgehviertel umgestaltet.

Tel Aviv, Blick auf Jaffa

Jerusalem

Nach Jerusalem bin ich nur für einen Tagestrip mit dem Bus gefahren. Die Dinge, die man gesehen haben sollte, konzentrieren sich ja auch alle um die Klagemauer, den Felsendom und die Al Aqsa Moschee. In der Altstadt, die in vier Viertel unterteilt ist (Jüdisches, Arabisches, Christliches und Armenisches Viertel) wird man sich schnell verlaufen. Ich persönlich habe da nichts dagegen. Ich lasse mich in der Atmosphäre gerne etwas treiben; das gibt mir mehr, als einen Zettel mit „places to see“ abzuarbeiten.

Wer nicht den ganzen Tag in der Altstadt verbringen möchte, sollte unbedingt das Vad Yashem Holocaust Mahnmal besuchen. Der Eintritt ist frei.

Einen tollen Blick auf die Jerusalemer Altstadt hat man vom Ölberg oder Olivenberg, der für alle drei Weltreligionen eine sakrale Bedeutung hat. So soll Jesus nach seiner Auferstehung vom Ölberg in den Himmel aufgefahren sein. Nach jüdischem Glauben zieht der Messias vom Ölberg nach Jerusalem ein und hält im Kidrontal zwischen Tempelberg und Ölberg das Jüngste Gericht ab. Diesen Glauben vom endzeitlichen Gericht teilen auch die Muslime, nach deren Vorstellung in der Endzeit ein Seil vom Tempelberg zum Ölberg gespannt sein wird, über das die Gerechten hinübergehen werden.

Busse von Tel Aviv nach Jerusalem (und in Gegenrichtung) verkehren alle paar Minuten und brauchen eine knappe Stunde. Von der Central Bus Station in Tel Aviv geht der Bus Nr. 405 und kostet return 30 NIS (ca. 7,50 Euro); Einzelfahrten kosten etwas mehr als die Hälfte (ca. 4,50 Euro).

Klagemauer und Felsendom in Jerusalum

Masada und das Tote Meer

Durch die kurzen Wege in diesem kleinen Land bietet sich eine Rundreise unbedingt an. Hat man Tel Aviv und Jerusalem jeweils für ein paar Tage erkundet, bietet sich für Geschichtsinteressierte der Weg in den Süden zur Festung Masada am Südwestende des Toten Meeres an. Masada ragt aus der Wüste empor, die sich östlich des Tafelbergs erstreckt. Auf der anderen, westlichen Seite liegt dann das Tote Meer, wo man ein herrlich entspannendes Bad im Salzwasser nehmen kann. Das ganze Gebiet ist Teil des Masada Nationalparks.

Auf dem Gipfel des isolierten Tafelberges, der vom Toten Meer eine Höhe von 400 Metern aufweist, befindet sich ein Hochplateau, das zwischen 40 und 30 v.Chr. im Auftrag von König Herodes erbaut wurde. Nach dessen Tod war dort eine römische Garnison stationiert. 66 n.Chr. kam es zum Jüdischen Krieg gegen die römische Besatzung und eine Gruppe von Sikariern überraschte die römische Garnison und konnte Masada einnehmen.

Sieben Jahre später belagerten mehrere Tausend römische Soldaten monatelang die Festung Masada, bauten eine Belagerungsrampe und schafften so Rammböcke bis an die Festungsmauern, um diese zum Einstürzen zu bringen. Als die Belagerten die Aussichtslosigkeit der Lage erkannten, beschlossen sie, dass der Tod besser sei als in römische Gefangenschaft zu geraten. Als die Römer die Festung schließlich einnahmen, kam ihnen nur noch Totenstille entgegen.

Die Legende von Masada ist bis heute Ausdruck des starken Freiheitswillen des jüdischen Volkes und integraler Bestandteil des Zionismus, der wiederum auch andere Religionen wie die Rastafari in der Karibik beeinflusst. Zum Schwur der israelischen Soldaten gehört bis heute die Formel „Masada darf nie wieder fallen“.

Nach Masada kann man mit einer Seilbahn hochfahren. Bahn und Eintritt kosten 77 NIS (knapp 20 Euro); es gibt auch einen beschwerlicheren Fußweg, den Schlangenpfad, für den man etwas körperliche Fitness und etwa eine Stunde Zeit braucht. Der Eintritt ist über diesen Weg deutlich ermäßigt.

Seilbahn nach Masada

Oben angekommen bietet sich neben den Ruinen der Festungsanlage ein atemberaubender Blick auf die Wüste einerseits und das Tote Meer andererseits.

Wenn man schon mal im Süden Israels ist, sollte man natürlich auch dem Toten Meer einen Besuch abstatten und im Salzwasser baden und sich mit Schlamm einreiben. Soll heilende Kräfte haben, stinkt aber auch gewaltig, weshalb man vor der Rückfahrt nach Tel Aviv dringend ausgiebig duschen sollte.

Jericho, Bethlehem, Nazareth – auf biblischen Spuren in Israel

Man muss nicht sonderlich religiös sein um zu erkennen, dass sich viele historische biblische Orte im heutigen Staatsgebiet Israels befinden (teilweise im palästinensischen Teil des Westjordanlands). Dieses Zusammentreffen der drei großen Weltreligionen auf engstem Raum macht zum einen die Faszination des Landes aus, ist aber bekanntermaßen auch Ursprung tiefer, oft gewalttätiger Konflikte.

Wer ins Westjordanland reisen möchte, sollte beachten, dass dies mit israelischen Mietwagen aus versicherungstechnischen Gründen in der Regel nicht erlaubt ist. Unbedingt vor einer Fahrt ins Westjordanland die Vertragsbedingungen checken oder die Mietwagenfirma fragen.

Auf der sicheren Seite ist man bei einem Trip nach Haifa oder Akko im Norden, die auch von Bus und Bahn gut erreicht werden können. Beide liegen am Mittelmeer und besonders die Altstadt von Akko mit den vielen verwinkelten Gassen versprüht orientalisches Flair, dem man sich schwer entziehen kann. von Akko ist es übrigens auch nicht mehr weit zum See Genezareth, in dem man auch baden kann.

Flüge nach Tel Aviv

Flüge vo Deutschland nach Israel gibt es z.B. mit Pegasus ab etwas über 200 Euro (abhängig von der Jahreszeit); Nonstop- Flüge mit Lufthansa oder El Al kosten ca. das Doppelte. Nonstop ist man etwas über vier Stunden unterwegs. Billiger wird es mit den Flug & Hotel- Angeboten von Expedia. Ich habe hier beispielhaft mal Flüge für eine zweiwöchige Reise nach Israel gesucht, bei denen die ersten fünf Nächte in einem Hotel in Tel Aviv inbegriffen sind. Bei solchen Kombinationen sinken die Gesamtkosten meist sehr deutlich im Vergleich zu isolierten Flug- und Hotelbuchungen. Hier geht’s zu den Ergebnissen meiner Kombi- Suche.

Wenn ihr verreist, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr mit einer Auslandskrankenversicherung ausreichend abgesichert seid. Wir stellen euch die drei beliebtesten Langzeit- Auslandskrankenversicherungen für Backpacker vor.

Wer außerdem ein Moskitonetz oder anderes Reisezubehör benötigt, sollte mal in unserem kleinen Shop vorbeischauen.

Israel & the Palestinian Territories (Lonely Planet Travel Guide)
  • Planet Lonely
  • Herausgeber: Lonely Planet
  • Auflage Nr. 9 (13.07.2018)
  • Taschenbuch: 448 Seiten

Letzte Aktualisierung am 29.10.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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