Vang Vieng: Doppelter Strukturwandel einer sterbenden Stadt

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Vang Vieng leidet derzeit unter einem doppelten Strukturwandel. Hatte sich das kleine beschauliche Flussdorf, strategisch günstig gelegen zwischen der Hauptstadt Vientiane und der „Perle Südostasiens“ Luang Prabang vor ein paar Jahren einen Ruf als Mekka für Backpacker erworben und dabei einen Boom für die Region ausgelöst, leidet Vang Vieng nun nach dem radikalen Cut, den die Stadt angesichts der Auswüchse des Party- Konsums angenommen hatte, unter dem Ausbleiben der Touristenströme.

Der Pakt mit dem Teufel, den Vang Vieng vor ein paar Jahren eingegangen war, als es partyhungrigen Backpackern erlaubte, sich in ihrem Ort aufzuführen, wie sie es zu Hause niemals tun würden, hatte zunächst zu einem schnell anschwellenden Reichtum und einem raschen Ausbau der touristischen Infrastruktur geführt. Überall schossen Bars, Restaurants, Hotels und Guesthouses aus dem Boden, immer mehr clevere Einheimische machten mit dem Cannabiskomsum der einfallenden Partyschar ein gutes Geschäft und in der weltweiten Partyszene sprach sich herum, dass man in Vang Vieng machen konnte, was man wollte und nicht nicht viel Geld dafür auf den Tisch legen musste.

Als einzige wirkliche Attraktion etablierte sich das Tubing, bei dem sich besoffene Touristen mit einem Bier in der einen und einem Joint in der anderen Hand in einem großen LKW- Reifen den Nam Song hinunter treiben ließen.

Da der Fluss wenig Wellengang verursacht, eigentlich ein ungefährliches Hobby und wenn denn doch mal ein bedröhnter Backpacker dabei drauf ging, dann war das halt ein Kollateralschaden, der hinzunehmen war.

Allerdings brachten die Individualtouristen nicht nur Geld sondern auch ihre eigenen Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die für buddhistische Laoten, die bisher relativ isoliert in ihrer kleinen Welt gelebt hatten, trotz aller traditioneller Gastfreundschaft schwer zu verdauen waren.

Nicht nur, dass betrunkene junge Menschen mit nacktem Oberkörper schon eine Zumutung für das Schamgefühl der Einheimischen waren, irgendwann begannen diese auch die Tempel als billige Unterkünfte zu missbrauchen, weil irgendwer herausgefunden hatte, dass die Laoten aus Gastfreundschaft einen kurzen kostenlosen Aufenthalt in ihrem Tempel dulden würden.

Kurzum: Man wurde die Geister, die man rief, weil sie schnellen Wohlstand für viele Einwohner brachten, nicht mehr los und an der Riverside roch es fortan nach Sprit, Kotze und Sperma.

Als dann 2012 eine ganze Reihe von Partygängern im Fluss ersoffen ist, war das eine letztlich willkommene Gelegenheit für die Polizei, sämtliche Bars am Flussufer und auf der Partyinsel dichtzumachen, gegen den ausufernden Drogenkonsum vorzugehen und insgesamt eine härtere Gangart gegen obszöne Verhaltensweisen einzuschlagen.

Die Backpacker- Szene reagierte, wie das in einem weltweiten freien Markt eben so üblich ist, mit Ausweichbewegung und ließ fortan das ehemalige Party- Mekka in Laos links liegen.

In der Folge machten jede Menge Bars und Guesthouses pleite und die anderen überlegen, was sie denn jetzt mit ihren nagelneuen Anlagen mitten im Niemandsland anfangen sollen.

Die Besitzer meines Hotels, des Laos Haven Hotel, kommen aus Singapur und versuchen aus dem Unglück das Beste zu machen, indem sie in die Renovierung ihres schicken Hotels investieren und hoffen, mittelfristig andere kaufkräftige Touristen in ihr nun wieder verschlafenes Örtchen umleiten zu können, die dann vielleicht auch länger bleiben, als nur ein oder zwei Tage auf Zwischenstation von Vientiane nach Luang Prabang.

Ob sowas kurzfristig klappt, wenn der eigene Ruf als Billig- Ballermann erst einmal nachhaltig versaut ist und man auch über keinen Flughafen verfügt, die Busanreise aus Vientiane also immerhin vier Stunden, aus Luang Prabang sogar knapp acht Stunden dauert, bleibt abzuwarten.

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Kai Berke

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