Kleine Rundreise auf der Karibikinsel Grenada

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Pünktlich um 8.30 Uhr schwinge ich mich in meinen Mietwagen und stürze mich in halsbrecherischer Manier in den jeglicher Regeln verlustig gegangenen Verkehr von Grenada. Den Linksverkehr meistere ich mittlerweile schon recht routiniert, erst recht mit der Automatikschaltung, die mich vor der Stresssituation schützt, in gefährlichen Situationen auch noch mit der „falschen“ Hand schalten zu müssen.


Außer dem kurz aufkommenden Stress, dass ich in der Hauptstadt St. George eine enge Einbahnstraße aus Versehen in falscher Richtung befahre und die ca. um 13 Prozent ansteigende Straße rückwärts wieder runterschleichen muss, bewältige ich das unbekannte

St. George, Hauptstadt von Grenada

St. George, Hauptstadt von Grenada

Terrain ganz ordentlich und bin froh, als ich St. George in Richtung Grande Etang Nationalpark verlasse.

Doch leider tut sich kurz hinter der Ortsgrenze ein neues, enormes Problem auf: Es gibt im dünner besiedelten Norden so gut wie keine Hinweisschilder. Auch auf die Ortsnamen, an denen ich mich auf der Karte orientieren könnte, wird auf Grenada komplett verzichtet. Verständlich aus der Sicht der Einheimischen, die schließlich wissen, wo sie wohnen, aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass Grenada (zum Glück eigentlich) touristisch noch nicht so erschlossen ist wie andere karibische Inseln. Kurzum: Alle Ziele, die ich heute erreiche, erreiche ich durch puren, zum Teil absurden Zufall, aber immerhin: Ich finde schließlich doch – fast – alles, was ich finden wollte.

Das sind zunächst die Annandale Wasserfälle, die über 15 Meter in einen vier Meter tiefen See stürzen. Von den Klippen stürzen sich Einheimische und Menschen aus aller Herren Länder

Annandale Falls, Grenada

Annandale Falls, Grenada

herunter, um Geld von den Touristen einzusammeln oder um Mädels zu beeindrucken. Auf der Klippe hängen Fahnen der Länder, aus denen sich bereits Wagemutige (man könnte ehrlicher Weise auch sagen: Wahnsinnige) herabgestürzt haben. Da dort schon eine deutsche Fahne hängt, widerstehe ich meinem fies grinsenden Guide und springe nicht…

Über einen kurzen Abstecher an den Kratersee Lake Etang, der ein netter vollgelaufener, erloschener Vulkankrater ist, erreiche ich schließlich die Kakaofabrik Belmont Estate, die größte ihrer Art in der Karibik, wo mir ein netter Rasta in aller Ruhe den Produktionsprozess erklärt. In aller Ruhe nur deshalb, weil ich erst heute gekommen bin, denn immer mittwochs liefern die Bauern aus ganz Grenada die Kakaobohnen an. So bin ich ziemlich allein dort und kann mir in aller Ruhe alles anschauen.

„Alles“ ist in diesem Fall allerdings etwas übertrieben, denn die eigentliche Herstellung von Schokolade findet in der Grenada Chocolate Company statt, die eigentlich nur 1,5 Kilometer von Belmont Estate entfernt sein soll. Nachdem ich zehn Kilometer in der Gegend umherirre und die Suche gerade aufgegeben hatte, komme ich plötzlich an der Polizeistation vorbei, von der sich ein kleiner Weg hoch zur Schoko- Fabrik schlängelt.

Die Fabrik hat eine schillernde Geschichte, denn sie wurde einst von einem Rasta und ausgewanderten Deutschen gegründet und wird bis heute mit deutschen Maschinen betrieben. Die Fabrik ist eigentlich ein umgebautes Wohnhaus, dem gegenüber übrigens das Privathaus des Premierministers von Grenada liegt. Leider muss mich der Chef, ein glatzköpfiger Weißer mit nacktem Oberkörper enttäuschen, weil sie dort aus hygienischen Gründen keine Führungen mehr anbieten können.

Er entschädigt mich mit einem Stück vorzüglicher Bio- Schokolade und ich mache mich so langsam wieder auf den Weg zurück ins Hotel, denn im Dunkeln (und um Punkt 18 Uhr fällt die Sonne wie ein Stein vom Himmel) würde ich wahrscheinlich nie wieder zurückfinden.

Übernachtet habe ich auf Grenada übrigens im Grande Anse Beach Resort.

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Kai Berke

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