Autofahren auf St. Lucia

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Ich hatte mich schon gewundert, als ich gelesen hatte, dass die Strecke von Rodney Bay im Norden bis zum internationalen Flughafen in Vieux Fort im Süden ca. 80 Kilometer lang sein und ca. anderthalb Stunden dauern soll, obwohl die Insel gerade mal 23 km breit und 37 km lang ist. Als ich heute in meinen Suzuki Alto stieg und südlich der Hauptstadt Castries stundenlang Serpentinenstraßen Berge hinauf und wieder hinunter gefahren bin, erkannte ich des Rätsels Lösung.




Glücklicherweise verfügte der kleine Suzuki- Flitzer über eine Automatik, denn obwohl ich im Linksverkehr inzwischen einigermaßen routiniert bin, hätte ich wohl ein ums andere Mal ins Leere gegriffen, wenn ich alle 20 bis 30 Meter hätte schalten müssen. Die Kunst beim Linksverkehr ist schließlich nicht, auf der richtigen Seite zu fahren sondern seine Hand daran zu gewöhnen, dass die Schaltung nicht rechts sondern links ist.

Dass die Autofahrer auf St Lucia zudem als die rücksichtslosesten und selbstmörderischsten der Karibik gelten, hatte sein Übriges getan, mich mit einer ordentlichen Portion Respekt auf die Reise gehen zu lassen.

Entsprechend hatte ich den Verkehr der Hauptstadt weitgehend gemieden und mich auf den landschaftlich am meisten beeindruckenden Abschnitt von Castries nach Soufriere, der

St Lucia

St Lucia

ehemaligen Hauptstadt im Südwesten gemacht. Vorbei an kleinen Dörfern, in denen die Zeit vor hundert Jahren stehengeblieben zu sein schien, vorbei an riesigen Bananenplantagen und vorbei an der Marigot Bay, die als die schönste Bucht St. Lucias gilt und die schon Drehort zahlreicher „bekannter“ Filme gewesen war, erreichte ich nach ungefähr drei Stunden Soufriere.

Dass ich so verhältnismäßig schnell gewesen bin, verdankt sich der Tatsache, dass es auf der wunderschönen Strecke, die alle paar Kilometer eigentlich dazu eingeladen hätte anzuhalten und ein paar Fotos zu schießen oder einfach nur mal ein bisschen in die Gegend zu starren, so gut wie keine Haltepunkte oder View Points gibt, so dass jedes Verlassen des schützenden Autos einer akuten Gefährdung von Leib oder Leben gleichgekommen wäre – und dass nicht, weil ich mit St. Lucia entgegen meiner sonstigen Gewohnheit zum ersten Mal ein Reiseziel mit heimischen Giftschlangen gewählt habe sondern weil mich mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendein Blechmonster einfach überrollt hätte.

 

Auf dem Weg ins Tal, in dem Soufriere liegt, hat man dann wunderschöne Ausblicke auf die Wahrzeichen der Insel, die beiden Zwillingsberge „Gros Piton“ und „Petit Piton“, die nicht nur Namensgeber des hiesigen Lager- Biers sind sondern auch jährlich tausende Touristen in Bergziegen verwandeln.

Soufriere selbst sieht man an, dass es eine goldene Zeit als wichtige karibische Hafenstadt – hinter sich hat… die hohe Arbeitslosigkeit, die auf 40% geschätzt wird, hat zur Folge, dass die Menschen sich in ihrer Not auf jede denkbare Einnahmequelle stürzen; zum Beispiel weiße Touristen. Nun bin ich grundsätzlich der Meinung, dass man als Tourist auch den heimischen Wirtschaftskreislauf unterstützen und sein Geld nicht nur in vollklimatisierten Resorts lassen sollte, aber jede gutgemeinte Unterstützung hat auch ihre Grenzen. Bei mir war diese erreicht, als ich für einfache Auskünfte bezüglich des Weges unangemessen hohe Summen in US Dollar auf den Tisch legen sollte – und mir ungefragt alle paar Meter nicht gewünschte Stadtführungen aufgedrängt wurden.

Ich flüchtete also in ein kleines sympathisches Restaurant, aus dem laute Reggae- Musik drang, aß einen kreolischen Truthahnburger und zog dann gestärkt von dannen. Nach einem kleinen Zwischenstopp bei den Diamond Falls, ein paar schönen, aber nicht abendfüllenden Wasserfällen inmitten eines Botanischen Gartens, zog ich dann weiter zum einzigen „Drive- In- Volcano“ der Karibik, wie die Werbung stolz ankündigt. Gemeint waren die Sulphur Springs, ein aktiver Vulkan etwas oberhalb von Soufriere. Eigentlich ist der Krater sehr viel größer (über 7 km im Durchmesser) und umfasst streng genommen auch das gesamte Stadtgebiet von Soufriere, aber die vulkantypischen Aktivitäten beschränken sich auf ein Feld von blubbernden Schwefelquellen, die unnormal nach faulen Eiern stinken.

„Drive In“ ist allerdings etwas arg auf den Putz gehauen, denn nicht nur, dass man sein Auto am Parkplatz abstellen muss, man kann die Schwefelfelder auch nur noch von einer Aussichtsplattform besichtigen, seit vor 20 Jahren ein Führer in einem neu aufgebrochenen Krater bis zu den Hüften in 160 Grad heißem Schwefeldampf versank. Er überlebte zwar schwerverletzt, aber solche „heißen Bäder“ wollte man den Besuchern dort ersparen. So hat sich unser Führer auch kein Ei mehr über den Schwefeldämpfen gebraten, wie das wohl früher gern gemacht wurde, uns dafür aber mit allerhand Wissenswertem rund um die Vulkanaktivitäten in der Karibik versorgt.

Den Rückweg nach Rodney Bay bin ich gefahren wie der Teufel und entsprechend erledigt habe ich den Tag mit einem kleinen Piton an der Hotelbar ausklingen lassen.

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Kai Berke

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