Antigua

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Antigua ist eine kleine, sonnige Insel in der Karibik und gehört zu den Kleinen Antillen. Gemeinsam mit der kleinen Nachbarinsel Barbuda bildet sie den Karibikstaat Antigua und Barbuda. Antigua setzt heute fast ausschließlich auf den Tourismus, wobei sich dieser weitgehend auf die hochpreisige Luxusklasse in den All- Inclusive- Resorts rund um die Hauptstadt St. John’s beschränkt. Preisgünstigere Unterkünfte (wie meine z.B.) sind äußerst selten und so etwas wie Campingplätze gibt es gar nicht auf Antigua. Auf der dünn besiedelten Nachbarinsel Barbuda gibt es ausschließlich eine Handvoll Luxushotels, die preislich so bei etwa 500 Dollar pro Nacht beginnen.

Daneben sieht man auf Antigua noch vereinzelt die Zeugnisse der Vergangenheit als Zucker- und Bananeninsel. Diese ist eng verknüpft mit der Zeit der Plantagen und der Sklavenhaltung und hat auch in der Vegetation ihre Spuren hinterlassen, denn dem  monokulturellen Anbau von Zuckerrohr ist der Regenwald großteils zum Opfer gefallen.

Ein zusätzliches kleines Standbein versucht sich Antigua mit der Ausrichtung von Traumhochzeiten aufzubauen und vermarktet sich entsprechend als „Hochzeitsinsel“ der Karibik. Wem die eigene Dorfkirche also nicht originell genug ist und Las Vegas zu prollig, der packt seine Hochzeitsgesellschaft einfach in den Flieger und heiratet in einer der herrlich kitschigen Kapellen.

It’s politics, stupid

Wenn gewählt wird in Antigua und Barbuda ist es faszinierend, wie sehr die Bevölkerung daran Anteil nimmt. Fast jedes Auto trägt „weltanschauliche Bekenntnisembleme“, also Aufkleber oder diese Fähnchen, die ganz Deutschland zur WM am Auto hatte. Ganze Straßenzüge sind in den Farben der favorisierten Partei geschmückt und die Parteien fahren mit Lautsprecherwagen durch die Gegend und versuchen, die Menschen davon zu überzeugen, an der richtigen Stelle das Kreuz zu machen.

Die politische Landschaft in dem in sechs Departements unterteilten Zwei- Insel- Staat ist einigermaßen überschaubar. Es gibt die regierende Union Progressive Party (UPP), die eher konservativ eingestellt ist und die Antigua Labour Party (ALP), die in der Tradition sozialdemokratischer Parteien steht.

Ganz im Gegensatz zu der Teilnahme der Bevölkerung steht der fast schon europäisch anmutende inhaltslose Wahlkampf der Parteien. Während die ALP versucht, mit dem Sicherheitsthema zu punkten und mit religiöser Anspielung verspricht, die Schmerzen von der Bevölkerung zu nehmen („Labour takes away your pain“, wobei „pain“ in den Farben der UPP geschrieben ist), treibt die UPP die Inhaltslosigkeit auf die Spitze und schreibt sich einfach dreist das gute Wetter auf die Fahnen („Government in the sunshine“).

Nach 24 Jahren an der Macht ist Labour bei der letzten Wahl erstmals abgewählt worden. Korruption und Vetternwirtschaft (das scheint überall auf der Welt gleich zu sein) haben Labour von den Sorgen der Bevölkerung entfremdet. Mein Host meinte, wenn Labour die Wahl diesmal nicht gewinnt, würden wohl einige aus der Führungsriege in den Knast wandern. Das sei der Grund, warum einige aus deren Umfeld zur Zeit in St. John’s versuchen, Krawall anzustiften, um mit dem Sicherheitsthema zu punkten. Auch das scheint eine universale Strategie, wenn man sich nur all die Kriege anschaut, die in den letzten Jahren angestiftet wurden, um die Welt „sicherer“ zu machen.

 

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Kai Berke

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